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Feuerwehr

Wasserrettungszug der Feuerwehr Frankfurt am Main

von Sven Kluge, Fotos: S. Kluge, A. Knie, Feuerwehr Frankfurt am Main

 

 

Die Feuerwehr Frankfurt am Main genießt in Fachkreisen einen besonderen Ruf. Aus Frankfurt kommen viele Innovationen im feuerwehrtechnischen Bereich, die überall in Deutschland Anwendung finden. Schon früh hat man sich in Frankfurt entschieden. für besondere Probleme des Feuerwehralltags Spezialkräfte und -gerät vorzuhalten. So hat auch der Wasserrettungszug seinen festen Platz bei den Aufgaben dieser Feuerwehr.

 

 

Die Wasserrettung hat in Frankfurt a.M. Tradition. Die Anfänge eines organisierten Dienstes bei der Berufsfeuerwehr reichen bis ins Jahr 1923 zurück. Damals wurden die ersten Spezialisten für die Arbeit im und auf dem Wasser ausgebildet. Bis heute hat sich der Wasserrettungszug zu einer modernen und tatkräftigen Einheit entwickelt. Bei einem Blick auf die Einsatzzahlen wird schnell deutlich, dass die tauchenden Kollegen kein Schattendasein fristen, sondern ebenso ihre Berechtigung haben wie Umweltschutzzug, Rüstzug und anderes Fachpersonal. Stationiert ist der Wasserrettungszug bei der Feuerwache 3 in der Nähe des Hauptbahnhofs. Zum Main sind es nur wenige Minuten Fahrtzeit. Ein weiterer Vorteil des Standorts ist die zentrale Lage im Einsatzgebiet. das nicht nur das Frankfurter Stadtgebiet, sondern auch das angrenzende Umland umfasst.

Das Aufgabenspektrum des Zuges ist breit. Schwerpunkte der Arbeit sind die Rettung von Personen aus Notlagen und die technische Hilfe im und am Wasser sowie praktischer Umweltschutz bis hin zur Wartung städtischer Anlagen unter Wasser. Eine Besonderheit stellt die 24stündige Einsatzbereitschaft einer mobilen Zweipersonen-Druckkammer dar.

 

Die Taucher engagieren sich auch als Tierretter. Nicht nur aus Wassernot werden jedes Jahr einige Tiere gerettet, sondern auch an Land bedient man sich gerne der Kollegen vom Wasserrettungszug, um allerlei Getier wieder einzufangen. Bei der Leitstelle der Feuerwehr scheint die Gruppe den Ruf als "Mädchen für Alles" zu haben. Die fragte bei der Gruppe schon einmal an, ob sie eine entwichene Schlange nicht wieder einfangen   könne. Zur Ausrüstung der Taucher gehört auch ein "Tierfanggerät". Schmunzelnd wird berichtet, im Netz des Gerätes sei schon fast alles gewesen - vom Storch bis zum Goldfasan.

Der Wasserrettungszug ist rund um die Uhr fest mit einem Tauchereinsatzführer und zwei Tauchern besetzt. Um die nötige Einsatzstärke zu erreichen. kommt im Einsatzfall vom Löschzug noch mindestens ein Springer hinzu.

Insgesamt stehen 45 Taucher zur Verfügung, die in drei Wachabteilungen Dienst versehen. Pro Schicht befinden sich 12 bis 15 Taucher im Dienst. Sie sind auf dem Löschzug eingeteilt, können bei Bedarf jedoch den Wasserrettungszug verstärken.An Einsatzfahrzeugen stehen ein Taucherwagen (TW) und ein Bootswagen (BW) mit umfangreicher Beladung zur Verfügung. Je nach Einsatzstichwort kommen ein Hilfeleistungslöschfahrzeug (HLF) und nach Bedarf andere Einheiten hinzu.

Bei Einsätzen am Main wird regelmäßig mit dem Frankfurter Löschboot zusammengearbeitet. Befindet sich eine in Not geratene Person im Main, kommt von der Löschbootstation ein Rettungsschnellboot auf dem Wasserweg zur Einsatzstelle. Pro Jahr werden vom Wasserrettungszug 200 bis 250 Einsätze bewältigt. Die einsatzfreie Zeit wird in der eigenen Werkstatt für die Wartung der vielen Gerätschaften genutzt. Die Tauchgeräte werden nach jedem Einsatz und nach jeder Übung auf ihre einwandfreie Funktion getestet. Auch Reparaturen an den Tauchgeräten werden in einem gewissen Umfang selbst vorgenommen. Zusätzlich stehen der reguläre Wachunterricht und ständige Fortbildung auf dem Programm.

Die 45 Taucher des Wasserrettungszuges haben eine um fangreiche Ausbildung hinter sich. Jeder Feuerwehrmann hat einen technischen Beruf erlernt, bevor er zur Berufsfeuerwehr kam. Daran hat sich die feuerwehrtechnische Ausbildung angeschlossen. Die meisten Kollegen sind zudem Rettungssanitäter oder Rettungsassistenten, da die Berufsfeuerwehr auch am Rettungsdienst beteiligt ist. Die Tauchausbildung haben alle Mitglieder des Zuges mit der Prüfung zum "Feuerwehrtaucher Stufe 2" (gemäß Feuerwehr Dienstvorschrift 8 "Tauchen')    abgeschlossen. Die 'Stufe 2"beinhaltet zusätzlich zur "Stufe 1" den Erwerb von Kenntnissen in schwierigen technischen Hilfeleistungen bis zum UW -Brennschneiden und Schweißen.

Um immer auf dem Laufenden zu bleiben und nicht "einzurosten". bilden sich die Taucher des Wasserrettungszuges ständig fort.

Neben Dienstsport, Schwimmtraining in einem städtischen Schwimmbad und Übungen im feuerwehreigenen, elf Meter tiefen Tauchturm, gibt es regelmäßig theoretischen Unterricht. Im tauchmedizinischen Bereich werden die Kollegen von Ärzten des Städtischen Klinikums Höchst geschult, mit denen auch im Rahmen von Druckkammereinsätzen zusammengearbeitet wird. Die vielfältige Ausrüstung erfordert zudem ein kontinuierliches Üben mit den Gerätschaften, um den reibungslosen Ablauf im Einsatz zu gewährleisten. Dem dienen auch wöchentliche Außenübungen am Main oder an anderen Gewässern der Umgebung. Im Winter wird die Möglichkeit genutzt, das Tauchen unter dem Eis zu trainieren. Natürlich hat die Feuerwehr Frankfurt ihre eigenen Lehrtaucher, die sich um die Aus- und Fortbildung der Kollegen kümmern. Besondere Aufmerksamkeit verdient die technische Ausstattung des Wasserrettungszuges. Die beiden Einsatzfahrzeuge: Taucherwagen und Bootswagen, sind in dieser Form bundesweit einmalig und wurden nach Vorgaben der Frankfurter Feuerwehr bereits in der 2. bzw. 3. Generation verwirklicht. Der Taucherwagen ist auf einem 16-Tonnen-Fahrgestell aufgebaut und transportiert alle für die Taucher wichtigen Geräte zur Einsatzstelle. Bereits während der Anfahrt besteht die Möglichkeit, sich umzuziehen und auszurüsten. Am Einsatzort müssen nur noch die Tauchgeräte angelegt werden, die sich in einem Geräteraum außen am Fahrzeug befinden. Der Taucherwagen ist mit sechs Geräten mit Vollmasken und dem nötigen Zubehör bestückt. Insgesamt hat der Wasserrettungszug 15 Tauchgeräte dieser Art. Getaucht wird in Frankfurt meistens im Nasstauchanzug; auch im Winter. Das mag ungewöhnlich klingen, wird jedoch mit dem schnellen Anlegen des Anzugs begründet. Da die Fahrzeiten oft nur wenige Minuten betragen, bleibt kaum Zeit, einen Trockentauchanzug anzulegen - wenn es um die Rettung von Personen geht, ist jede Sekunde kostbar. Natürlich verfügt der Wasserrettungszug auch über Trockentauchanzüge: diese kommen jedoch nur bei längeren technischen Hilfeleistungen unter Wasser zum Einsatz. Zur weiteren Beladung des Fahrzeugs gehören neben Tauchertelefon, Leinen und allerlei Werkzeugen auch ein schlauchversorgtes Tauchgerät und ein Helmtauchgerät mit dem nötigen Zubehör. Besonders für zeitaufwendige und schwierige Bergungen bzw. Arbeiten in großen Tiefen sind diese Geräte unentbehrlich. Im Taucherwagen sind zudem ein vom Fahrzeugmotor angetriebener 20-kVA-Generator für die Stromversorgung, ein hydraulisch ausfahrbarer Lichtmast mit zwei 1000-Watt-Strahlern und ein eigener Atemluft-Kompressor eingebaut. Es stehen 40 Meter Druckluftschläuche zur Verfügung, z.B. für den Betrieb von Druckluftwerkzeugen. Außerdem erlauben ein Frischwassertank und ein Durchlauferhitzer im Fahrzeug die Reinigung von Personal und Material noch am Einsatzort. Eine Besonderheit ist die auf das Fahrzeug verlastete tragbare Zweipersonen Druck kam m er. Sie dient nicht nur zur eventuellen Behandlung des eigenen Personals, sondern steht auch für verunfallte Taucher im Rhein-Main Gebiet zur Verfügung. Ist eine Druckkammerbehandlung notwendig, fährt der Taucherwagen zum Klinikum Höchst, wo das Fahrzeug an die stationäre Druckluft- und Sauerstoffversorgung angeschlossen wird. Der Patient wird mit einem Notarztwagen des Rettungsdienstes gebracht, im Schockraum weiterversorgt und anschließend in die Kammer im Fahrzeug eingeschleust. Die Behandlung wird von einem Taucherarzt des Klinikums überwacht, der den Patienten auch in der Kammer betreut. Es besteht die Möglichkeit, die Druckkammer unabhängig zu betreiben. Zu diesem Zweck führt der Taucherwagen insgesamt sieben Druckluftflaschen 50 Liter/ 200 bar und eine Sauerstoffflasche mit 50 Liter Volumen und 200 bar Fülldruck mit. Des weiteren sind eine komplette notfallmedizinische Ausrüstung, ein maschinelles Beatmungsgerät, ein Überwachungsmonitor für das EKG (Elektrokardiogramm) und ein Monitor zur Kontrolle des Blutsauerstoffgehalts (Pulsoxymetrie) vorhanden. Besonders bemerkenswert ist das Vorhalten eines Blutgasanalysegerätes auf dem Fahrzeug. Genutzt wird das System zur Kontrolle der Kohlenmonoxidsättigung (CO) des Blutes (HbCO) bei Rauchgasvergifteten. Bei größeren Bränden steht auch der Taucherwagen an der Einsatzstelle bereit, um bei Vergiftungen mit Kohlenmonoxid sofort eine hyperbare Sauerstofftherapie einleiten zu können. Dies kommt auch Feuerwehrmännern zugute, die nach einer Rauchgasinhalation oder bei Verdacht auf eine CO-Vergiftung schon am Einsatzort untersucht und bei Bedarf mit hyperbarem Sauerstoff behandelt werden können. Diese Vorgehensweise ist wohl eher die Ausnahme. Das zweite Fahrzeug des Wasserrettungszuges ist der Bootswagen. Die Ausrüstung reicht von Bojen und Absperrmaterial, allerlei Rettungsgeräten, Korbtrage, Schlauchboot. Leinen und dem bereits erwähnten "Tierfanggerät" bis zu einer Ölsperre für den Gewässerschutz. Die Feuerwehr verfügt zusätzlich über einen Abrollcontainer "Ölsperre".

 

Des weiteren stehen Überlebensanzüge Kälteschutzanzüge, wie man sie aus der Seefahrt kennt - und sogar Hitze abweisende Schwimmwesten für die Schiffsbrandbekämpfung zur Verfügung. Besonders bei Einsätzen auf Schiffen hat sich die Tauchpumpe mit 3600 Liter Förderleistung pro Minute bewährt. Auf dem Dach des Aufbaus lagert ein Hartschalenboot mit einem 40-PS Außenbordmotor, welches vom fahrzeugeigenen Ladekran (10 kN Trag­kraft) in anderthalb Minuten zu Wasser gebracht werden kann. Das Fahrzeug verfügt über einen eingebauten Stromerzeuger und einen Flutlichtmast mit dreimal 1000 Watt. Für Bergungen kann die fest installierte Fünf-Tonnen-Seilwinde genutzt werden, für die auch Anschlagmaterial und Umlenkrollen mitgeführt werden. Da die Ersatzteillieferung für die Tauchgeräte in Zukunft problematisch wird, steht für die nächsten Jahre die Ersatzbeschaffung von 15 Tauchgeräten auf dem Programm.

Durch Kontakte und Erfahrungsaustausch mit anderen Feuerwehren besteht die Hoffnung, gleichwertigen Ersatz für die Geräte zu finden.

 


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