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Relikte des Mittelalters aus dem Neustädter Hafen
ln-online/lokales vom 13.09.2007 00:00  

 

 

 

 

Dabei hatten Ausgrabungsleiter Florian Huber vom Amt für maritime und limnische Archäologie (AMLA) der Universität Kiel und Erich Halbwidl vom Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein (ALSH) gerade mal drei Wochen Zeit, um die Funde an die Wasseroberfläche zu befördern. Unweit der Stelle, wo vor rund sieben Jahren spektakuläre Steinzeitfunde für europaweites Aufsehen sorgten, stießen die Archäologen auf Zeugnisse aus dem Mittelalter.

 

 

 

 

Gemeinsam mit Tauchern des AMLA und mit Unterstützung von fünf Studenten der Kieler Universität wurden Reste von Transportfässern wie Fassdauben und Deckel, aber auch Holznägel, Planken und Tonpfeifen gefunden. Meter für Meter hatten die Wissenschaftler dafür mit Hilfe von Injektoren - quasi mit Wasserdruck arbeitende "Staubsauger" - den Boden im Neustädter Vorhafen vor dem Gelände der Bundesmarine durchkämmt. Den sofortigen Handlungsbedarf machte Florian Huber in der gestern eigens einberufenen Pressekonferenz deutlich: "Die Funde wurden überwiegend in einer nur fünf Zentimeter tiefen Schicht im Meeresboden entdeckt. Da hätte ein kräftiger Herbststurm gereicht, und die jetzt zutage geförderten Teile wären uns auf ewig verloren gegangen."

 

 

 

 

 

 

Huber stellte nochmal die Besonderheit des Vorhafens für die Archäologen heraus: "Aufgrund der Abgeschirmtheit der Marine hat es in diesem Bereich sehr wenig Bewegungen am Meeresgrund gegeben. Ich kenne wirklich kaum eine andere Stelle, wo steinzeitliche Funde nur 50 Meter von mittelalterlichen entfernt liegen." In Kleinarbeit wurden die vom Boden abgesaugten Sedimente mit der Wasserspritze entschlammt und mit der Pinzette sondiert. Neben der Knochenperle, die auf der Vorderseite einen Mann und eine Frau sowie auf der Rückseite ein Herz und eine Krone zeigt, wurden unter anderem auch Holzstücke mit so genannten "Hausmarken" gefunden. "Heute vergleichbar mit modernen Strichcodes, die Rückschlüsse auf den Bestimmungsort und die Ware zuließen", erläuterte Erich Halbwidl. Ersten Einschätzungen zufolge könne es sich bei der Fundstelle um eine mittelalterliche Schiffsreparaturstelle gehandelt haben.

 

 

Nach dem Aufsaugen und dem Entschlammen wurden die Fundstücke fotografiert, akribisch gezeichnet und anschließend auf elektronischen Datenträgern katalogisiert. "Angesichts des Zeitdrucks ermöglicht uns das auch im Nachhinein noch genaueste Bestimmungen der Funde", so die Wissenschaftler.

 

 

Sie hoffen, dass es für die Arbeiten, die finanziell durch die Stadtwerke Neustadt und materiell durch die Bundesmarine unterstützt wurden, im nächsten Jahr eine Fortsetzung geben wird. "Diese Stelle hat noch erhebliches Potenzial, da ist noch einiges zu holen", ist sich Florian Huber sicher.

 

 

 

Von Thomas Klatt, LN

 
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