DIE PROFITAUCHER - Jürgen Hock - Grootkoppel 29 - 23558 Lübeck - Germany
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Reportage

EGAL WANN EGAL WO

Die Taucher der französischen Fremdenlegion

Text und Fotos: mit freundlicher Genehmigung des Aquanaut Magazins Ausgabe Nr. 7 / 8 Juli /August 30. Jahrgang  www. aquanaut.de

Der Mythos ist grösser als ihre tatsächliche Truppenstärke:

Die französische fremdenlegion umfasst nur etwa 81100 Mann.

Dennoch ist diese relativ kleine Armee weltweit bekannt als

eine Streitmacht der besonderen Art


 

 

Um diesen besonderen Teil der französischen Streitkräfte ranken sich manche abenteuerlichen Vorstellungen. Vorweg gesagt: Viele davon sind wahr. Richtig ist zum Beispiel, dass „kleinere Probleme“ mit den Strafverfolgungsbehörden im Heimatland kein Hindernis sind, um in der Fremdenlegion aufgenommen zu werden. Es ist tatsächlich so, dass manche Männer sich deshalb dieser Truppe anschließen, weil sie alle Brücken hinter abbrechen wollen oder abbrechen müssen.

gemeinsames Manöver mit der regulären französischen Armee.

Eigenes schweres Gerät wie Landungsboote besitzt die Fremdenlegion nicht.

 

 

Die Taucher der französischen Fremdenlegion

Getaucht wird nur mit Kreislaufgeräten .

„Engel sind die Bewerber meistens nicht, Verbrecher aber auch nicht", heisst es in einer sehr wohlwollenden Darstellung über die Legion. Richtig ist ebenfalls, dass die Legionäre eine neue Identität bekommen und dass die französische Regierung auch gegenüber Interpol keinerlei Auskünfte darüber erteilt, wie der ursprüngliche Name eines Legionärs lautete. Nach drei Jahren bei der Fremdenlegion kann man die französische Staatsbürgerschaft bekommen. Man sagt:

„Diese Söhne Frankreichs werden Franzosen nicht durch ererbtes, sondern durch vergossenes Blut"

Denn für Kriegseinsätze gilt in Paris noch immer die Devise: Erst die Legion, dann erst die Armee. Wer sich bei der Fremdenlegion bewirbt kann damit rechnen, im Rahmen seiner mindestens fünfjährigen Dienstzeit an mehreren Kampfeinsätzen beteiligt zu sein. Dies scheint den Reiz am Dienst in der Legion jedoch eher zu erhöhen, als Bewerber abzuschrecken. Trotz der zweifelhaften Vergangenheit mancher Legionäre verstehen sich die Angehörigen der Fremdenlegion als Elitesoldaten. Sogar Taucher gibt es in der Legion.

AQUANAUT hat sich die „amphibische Einheit" näher angeschaut. Vorweg: Auch wenn man bei der Fremdenlegion eine fundierte Ausbildung zum Taucher absolvieren kann – sich als Legionär anwerben zu lassen, empfehlen wir unseren Lesern nicht.

 

„Um bei der Fremdenlegion zu dienen, muss man schon besonders geschaffen sein", erklärte uns Legionär Thomas Malcher , Corporal der Fremdenlegion. Damit hat er zweifellos recht. 150-Kilometer Gepäckmärsche innerhalb von drei Tagen durch unwegsames Gelände sind nicht jedermanns Sache; für die „Interessen Frankreichs" möglicherweise sein Leben zu verlieren auch nicht. Die "Arbeitsweise" von solchen Tauchern kennen zu lernen, die keineswegs wegen der Schönheit von Korallenriffen unter Wasser gehen, lohnt sich jedoch durchaus. Thomas Malcher ist wie viele seiner Kameraden ebenfalls Deutscher. „Nach dem zweiten Weltkrieg war die Legion noch wesentlich stärker deutsch geprägt als heute", sagt er. Damit hat er zweifellos Recht. Viele der Wehrmachtssoldaten und SS-Männer, die nach dem zweiten Weltkrieg von den Amerikanern, Briten oder Russen wegen Kriegsverbrechen gesucht wurden, gingen zur französischen Fremdenlegion. Diskret hinweggesehen über die wahre Vergangenheit der eigenen Leute hat man bei der Legion schon damals. Der Anteil der Deutschen sinke inzwischen, weil immer mehr Männer aus osteuropäischen Ländern zuströmen. Insgesamt gibt es wesentlich mehr Bewerber, als die Legion aufnehmen kann.

 

Die „amphibische Einheit" des Fallschirmjägerregiments der Fremdenlegion ist für Angriffe an feindlichen Küsten ausgebildet. Vor dem Feindesland werden die Söldner dazu im Wasser abgesetzt wenn nötig auch mittels Sprung aus dem Hubschrauber. Die Legion ist für eine extreme Mobilität ausgerüstet und verfügt daher nur über solche Fahrzeuge, die mittels Flugzeug transportiert werden können

 

 

Die „amphibische Einheit" der Fallschirmjägereinheit macht nur einen sehr kleinen Teil der Fremdenlegion aus. Diese kleine Gruppe ist für einen speziellen Auftrag ausgebildet: Dafür zu sorgen, dass französische Soldaten irgendwo auf der Welt an der Küste eines Feindstaates an Land gehen können. Auf der offiziellen Webseite der Fremdenlegion heißt es: „Die Legionäre sind heute eingesetzt in Afghanistan, im Kosovo, im Tschad, an der Elfenbeinküste und überall dort, wo Frankreich sie braucht." Szenarien wie eine Invasion von der Seeseite her kommen im Kriegsgeschehen tatsächlich vor, nicht nur damals 1944 in der Normandie. „Egal wann, egal wo" lautet einer der Leitsätze der Fallschirmjäger der Fremdenlegion. Die französische Regierung kann ihre Legionäre tatsächlich in ziemlich kurzer Zeit irgendwo in der französischen Hemisphäre einsetzen, übrigens sogar ohne Parlamentsbeschluss. Die Fallschirmjägereinheit ist innerhalb von 6 Stunden einsatzbereit in einer derart kurzen Zeit kann kaum eine andere Truppe auf der ganzen Welt in den Krieg geschickt werden. Die Hemmschwelle der französischen Politiker, Legionäre anstatt der regulären Streitkräfte in einem Konflikt mit ungewissem Ausgang einzusetzen, ist auch deshalb niedriger, weil hinterher keine französischen Mütter heulen. Und Ehefrauen haben die Legionäre ohnehin nicht  dies lässt die Struktur dieser besonderen Truppe kaum zu. Bis zum Dienstgrad eines „Sergent" (Unteroffizier) ist es den Legionären sogar verboten, ein Auto oder ein Handy zu besitzen. Der Eingangssold beträgt übrigens 1043 € pro Monat, dazu kommen freie Verpflegung und Unterkunft. Die fehlenden Beziehungen nach außen werden durch die enge Gemeinschaft untereinander ersetzt. Im Ehrenkodex der Legion heißt es unter anderem:

„Jeder Fremdenlegionär ist Dein Waffenbruder, gleich welcher Staatsangehörigkeit, Religion oder Rasse er ist. Du fühlst Dich ihm immer verbunden, wie es die Zusammengehörigkeit einer grossen Familie erfordert." „Legio patria not („Die Legion ist unser Vaterland") Ist das offizielle Motto der Fremdenlegionäre. Die endgültige Aufnahme in die Legion mit Verleihung des „kepi blanc" (weissen Mütze, die Kopfbedeckung zur Ausgangsuniform) nach dem Auswahlverfahren und der Grundausbildung ähnelt übrigens dem Eintritt in einen Mönchsorden.

(Frauen gibt es bei der Legion grundsätzlich nicht; zölibatär wird jedoch nur innerhalb der Kaserne gelebt. Die entsprechenden Etablissements findet man nur wenige Strassen entfernt.)

Die starke Betonung der kameradschaftlichen Zusammengehörigkeit der Legionäre ist zweifellos nötig, denn viele der Männer haben die Bindung an ihre Heimat ihre Familien abgebrochen.

Nach 15 Dienstjahren haben die Legionäre einen Anspruch auf eine monatliche Pension in Höhe von ungefähr 1000 Euro. Die Pension wird in jedes Land überwiesen, denn nach Ende seiner Dienstzeit darf ein Legionär wieder in seine Heimat zurückkehren, wenn er das möchte. Solange er zur Legion gehört werden ihm freilich alle Ausweispapiere und sonstigen Dokumente abgenommen. Manche finden nach ihrer Dienstzeit wieder den Weg zurück in die Zivilgesellschaft, andere nicht. Sogar eigene Altersheime hat die Legion, denn für manche Legionäre kann es auch nach Ende ihrer Dienstzeit kein „zurück" in ihr rkunftsland mehr geben.

Soldaten der „Legion etrangere" kön­gemeinsam mit der regulären franzö­:hen Armee eingesetzt werden. Sie d aber für „lokale Operationen" ausge­let, bei der ihnen keine Kriegsmaschi­ie mit Panzern und Flugzeugträgern im dergrund zur Verfügung steht. Sie sind eine Art der Kriegsführung ausgerü‑

stet, die auf den ersten Blick kaum ins 21. Jahrhundert passt. Bei der Fremdenlegion vertraut man nicht auf Tarnkappenbomber und auf satellitengesteuerte Flugkörper, sondern auf den körperlichen Einsatz der Legionäre — bis hin zum Bajonettkampf Mann gegen Mann. Die physischen An­forderungen an die Soldaten sind dement­sprechend ungleich höher als in regulären Armeen. Thomas Malcher habe sich übri­gens früher einmal bei der Spezialeinheit der Bundeswehr „Kommando Spezial­kräfte" beworben und wurde abgelehnt, weil er eine formale Bedingung nicht erfüllt habe. Aus Verärgerung über diese Ablehnung ging er zur Fremdenlegion und verpflichtete sich dort für zunächst fünf Jahre — kürzer geht es bei der Frem­denlegion nicht. Das deutsche Verteidi­gungsministerium hätte sich seitdem mehrmals an die Deutschen in der Legion gewandt, um diese für die Bundeswehr abzuwerben. „Fremdenlegionäre gelten als erstklassige Soldaten", sagt Thomas

Malcher, „unsere Fähigkeiten schätzt man auch bei der Bundeswehr." Zurück nach Deutschland wolle er aber vorläufig nicht. Die Taucher gehören zur „amphibischen Kompanie" des „2e REP" („Deuxieme Regiment Etranger de Parachutistesl, der Fallschirmspringereinheit des Fremden­legion. Das 2e REP gliedert sich in eine Stabs-, eine Versorgungs- und vier Kampf­kompanien. Die dritte dieser „Compag­nies de Combat" (3e Cie) mit 120 Mann ist die „amphibische". Die 1 e Cie ist für den Panzerabwehr- und Nachtkampf spe­zialisiert, die 2e Cie auf den Gebirgs­kampf und die 4e Cie auf den Kampf hin­ter feindlichen Linien, inklusive spezielle Sabotageeinsätze. Alle Fallschirmjäger­kompanien sind nur mit relativ leichten Waffen und kleinen Geländefahrzeugen ausgerüstet, um sie rasch mittels Flugzeug oder Hubschrauber überall hin transpor­tieren zu können. Panzerabwehrraketen und Granatwerfer sind ihre stärksten Ge­schütze. Stationiert ist das 2c REP

Trainiert wird für den Fall, dass am Strand keine Badenixen, sondern feindliche Soldaten warten. Auf dem Gepäcksack liegt daher bereits das Sturmgewehr im Anschlag

 

 


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