DIE PROFITAUCHER - Jürgen Hock - Grootkoppel 29 - 23558 Lübeck - Germany
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Reportage

Fort Bovisand

Eines der größten Tauchausbildungszentren in Europa

   

Fotos: Dave Peake

von Regine Frerichs

Die alte Festung "Bovisand" hat eigentlich zwei Geschichten: Ihre ureigenste als Bollwerk gegen Britanniens Feinde und eine zweite -seit über 30 Jahren- als Tauchmekka des Nordens.


Geschichtliches
Schon zur Zeit der Römer war Britannien ein Land das -wie auch in späteren Jahrhunderten- den Eroberungsdrang und die Begehrlichkeit verschiedener Herrscher weckte. Aufgrund seiner geographischen Lage war und ist der englische Kanal die kürzeste Entfernung zum europäischen Festland, die zu überwinden bleibt. Schon hierdurch wurde Britanniens Kanalküste gegen feindliche Invasionen gewappnet – u.a. 1588 gegen die Invasion der großen spanischen Armada.

 

 

 

 

 

 

 

 

Blick vom Hafen auf die alten Geschützstände des Forts

 

Die Angriffspläne dieser von Phillip II. entsandten Flotte waren der britischen Krone zuvor bekannt geworden. Plymouth, im Südwesten von Großbritannien in der Grafschaft Devon gelegen, galt es schon damals gegen Angriffe von See her zu schützen.
Die Mündung des “Plym” (Plymouth Sound) zieht sich einige Kilometer ins Landesinnere, so dass die hier gelegenen Städte von den Wetterlaunen des Kanals etwas geschützter sind.

Im ausgehenden Mittelalter wurde eine Festung auf Drake's Island errichtet. Im 16. Jahrhundert wurde in Bovisand ein Frischwasserreservoir angelegt, so dass Plymouth für die Versorgung der größeren Schiffe nicht mehr angelaufen werden musste. Der Frischwassertank lag oberhalb von Bovisand in den Hügeln. Von dort verliefen Wasserleitungen hinunter zum Hafen. Diese Leitungen sind heute noch teilweise vorhanden. Bei schlechtem Wetter ist der Plymouth Sound nur schwer gegen die auflaufende See wieder zu verlassen. Daher bleiben heute noch Schiffe, die den Sound bald wieder verlassen müssen, bei Erwartung ungünstigen Wetters auf Reede liegen.

 

 

 

 

 

 

Hafenbecken bei Sturm: Zeit für den theoretischen Unterricht

Im Laufe der Jahre wurden immer komplexere Verteidigungsanlagen gebaut. So liegt das Fort Bovisand, welches zu Beginn des 19. Jahrhunderts errichtet und ständig erweitert wurde, auf der anderen Seite des Sounds gegenüber der Festungsanlage Fort Picklecombe. In den späten zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurde eine Mole (Breakwater) als Wellenbrecher in die Mitte des Sounds gesetzt.

Um 1860 wurde unmittelbar hinter der Mole ein drittes Fort gebaut, das Breakwater Fort. Dieses kontrollierte fortan mit Fort Bovisand, Fort Picklecombe und Drake’s Island den Plymouth Sound.
Während des Ersten und Zweiten Weltkrieges war die Südküste des Kanals nicht gerade das erste Angriffsziel der Deutschen. So dienten die Verteidigungsanlagen lange Zeit der Ausbildung der britischen Soldaten. Diese Funktion wurde bis 1955 aufrechterhalten. Zwei Jahre später schlossen sich die Türen von Fort Bovisand für viele Jahre.

Aufstieg wie Phoenix aus der Asche
Die englische Regierung bemühte sich alsbald, Käufer oder Pächter für das alte Gemäuer zu finden. Angesichts des maroden Zustandes der Verteidigungsanlagen waren diese Bemühungen lange Zeit vergebens.
Dieses sollte sich erst 1970 grundlegend ändern. Es fanden sich zwei Männer, Alan Bax und Jim Gill, deren Ideen, Fähigkeiten, Mut und Visionen das Fort zu dem werden ließen, was es heute ist: Eines der größten Tauchausbildungszentren in Europa. Heute werden hier neben Sporttauchern (vom Anfänger bis zum Instructor) auch Berufstaucher ausgebildet. Zusätzlich können auch Motorboot- und Segelscheine erworben werden.
Mit sehr viel Eigeninitiative, Know-How und Einsatz wurde restauriert, saniert und neu gebaut. Viele Verhandlungen, Gespräche und Überzeugungsarbeiten wurden geleistet, bis Fort Bovisand seinen Betrieb aufnehmen und zu seiner heutigen Bedeutung heranwachsen konnte.

Fort Bovisand heute
In den 23 alten Geschützständen der Anlage befinden sich heute Rezeption, Tauchshop, Unterrichtsräume, Kantine, Füllstation und einige der Unterkünfte. Die alten Pulverkammern im Kellergeschoß wurden zu angenehm kühlen Unterrichts- und Trockenräumen umgebaut. Oberhalb der Kasematten (Geschützstände) befindet sich wohl eine der gemütlichsten Bars, die man sich denken kann. Mit einem grandiosen Panoramablick über den Plymouth Sound bietet sie dem Gast mit ihrer urigen Einrichtung das richtige Ambiente, um die Abende zu verbringen. Besonders gut geeignet ist dieser Ort für die Abschlussfeiern diverser Tauchkurse...!

Ein neues Gebäude befindet sich gleich neben den Kasematten. Hier sind zwanzig Appartements zur Unterbringung weiterer Gäste entstanden. Jedes Appartement hat Balkon und gewährt Blick über das Wasser. Die Verpflegung für die Taucher wird in der betriebseigenen Küche zubereitet. Dreimal täglich gibt es warme Küche, die kaum etwas zu wünschen übrig lässt.

Oberhalb der Geschützstände am Hang liegt die ursprüngliche, alte Festung. Hier gibt es weitere Unterbringungsmöglichkeiten, Waschräume und eine Küche für Selbstversorger. Auch Fotografen können auf ihre Kosten kommen. Fort Bovisand verfügt über eine eigene Dunkelkammer. Regelmäßige Fotowettbewerb auf internationaler Ebene werden durchgeführt.

Die Tauchausbildung
Jedes Jahr werden in Fort Bovisand ca. 2500 Sporttaucher ausgebildet. Vom blutigen Anfänger bis zum Tauchlehrer können hier alle PADI- Kurse belegt werden. Obwohl die Zahlen für Berufstaucher sehr viel geringer sind, wird auf die Ausbildung dieses Personenkreises besonderer Wert gelegt. Ca. 180 Berufseinsteiger belegen jedes Jahr den ersten der drei Berufstaucherkurse – weitere 120 belegen Aufbaukurse.

 

 

 

 

Auf der Arbeitsplattform steht den Auszubildenden eine Taucherglocke zur Verfügung.

 

Die Berufstaucherausbildung in Großbritannien ist standardisiert und international anerkannt. Die Kurse dauern zwischen dreieinhalb und neun Wochen. Der “Professional Scuba Diver” ist der erste der Kurse. Hier wird – vergleichbar der Forschungstaucherausbildung in Deutschland – autonom und an der Leine getaucht. In der Praxis werden verschiedene Arbeitsmethoden unter Wasser gelehrt. Rettungsübungen gehören ebenso zur Ausbildung wie Theorie. Dieser Kurs ist der erste Schritt zum voll einsetzbaren “Commercial Diver”. Gleichzeitig aber ist dies die Ausbildung für tauchende Kameraleute und Wissenschaftler.

Der nächste Kursus ist der “Inshore Diver”. Hier wird überwiegend mit Helm und schlauchversorgt getaucht. Die Taucher üben den Gebrauch von Druckluft- und Hydraulikwerkzeug.

Der “Offshore Diver” wird in entsprechenden Tiefen geschult. Tauchgänge bis 50 Meter Tiefe und Oberflächenrekompression – wie im richtigen Leben: So, wie es heute auf fast allen Plattformen gehandhabt wird. Weiterhin werden diverse Aufbaukurse angeboten: Zum Beispiel auch Inspektionskurse oder Bedienerkurse für ROVs (Remote Operated Vehicles). Aufbaukurse verlangen eine bestimmte Anzahl nachgewiesener Tauchstunden, die zwischen den Kursen währen der Arbeit bei einem Tauchunternehmen geleistet werden müssen.

Es gibt einen großen Unterschied zu der Tauchausbildung bei uns: Die Taucher müssen ihre Ausbildung selbst bezahlen. Je nach Länge der Ausbildung müssen schon einige Tausend Pfund hingelegt werden.  Dafür muss sich ein Taucher jedoch nicht auf einen der wenigen Ausbildungsplätze bewerben und ist aufgrund der konzentrierten Ausbildung in wenigen Wochen (pro Kurs) fertig. Bis zur Zulassung zum “Offshore Diver” dauert es in der Regel jedoch einige Jahre.

Die Ausbildungsmöglichkeiten
Fort Bovisand verfügt über viel fest installierte Stationen mit Schlauchversorgung, Kommunikation, Kompressoren und verschiedenstem Werkzeug.
In der Anlage befindet sich auch ein Tauchbecken. Hier befindet sich eine zusätzliche Versorgung von Warmwasseranzügen (wer einmal mit diesen Anzügen getaucht ist, tauscht seinen Trocki gerne dagegen ein).

Gleich nebenan ist ein Druckkammerzentrum mit fester und mobiler Druckkammer. Die zweite Station liegt im Hafen. Hier gibt es die Möglichkeit mit Druckluft- und Hydraulikwerkzeugen zu arbeiten. Wer im Breakwater Fort arbeitet, fährt morgens mit dem Schlauchboot hinüber. Dieses Fort soll in Zukunft weiter ausgebaut werden: Unterkünfte und Küche werden entstehen, da hier die Bedingungen denen bei Offshore- Arbeiten entsprechen.

 

 

 

 

Taucher auf dem Weg zum Breakwater Fort

 

Unter Wasser liegen hier verschiedene Objekte, an denen gearbeitet wird. Mit einem Fahrkorb werden die Taucher von der ca. 10 Meter hohen Arbeitsplattform bis auf den Meeresgrund hinabgelassen. Von dort aus orientieren sich die Taucher an ausgebrachten Leinen.

Eine weitere Ausbildungsstation ist ein Arbeitsponton. Hier werden die tieferen Tauchgänge durchgeführt. Auf dem Ponton befindet sich eine Druckkammer. Des weiteren steht hier eine Taucherglocke zur Verfügung. Zu jedem Lehrgang gehören Rettungsübungen. Aus Sicherheitsgründen wird der Rettungstaucher von den Ausbildern gestellt.

In “Fort Bovi” arbeiten ca. 60 Taucher, Verwaltungsangestellte, Köche, Raumpflegerinnen und sonstiges Personal, das für ein Unternehmen dieser Art benötigt wird. Während der Sommersaisonarbeiten sind es einige Taucher mehr. Die Manager und Ausbildungsleiter sind Berufstaucher. Zumeist haben sie gleichzeitig eine PADI- Instructor-Ausbildung.

Eine angenehm entspannte Atmosphäre herrscht in Bovi. Berührungsängste zwischen Sport- und Berufstauchern gibt es wenig. Der Tauchbetrieb ist bis auf zehn Tage im Jahr (über Weihnachten und Neujahr) immer geöffnet. Selbst zur kalten Jahreszeit kann man nach Feierabend erstaunlich viele Taucher antreffen, die noch mal schnell “eintauchen” wollen oder einen Kursus belegt haben.

 


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