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Berufstaucher

Der Beruf "Taucher"

Text von Ralf Ignacczak, Vorsitzender Prüfungskommission IHK Kiel

 

Viele Anfragen über die Möglichkeit den Beruf "Taucher" zu erlernen und die oft falschen vorausgehenden Vorstellungen, ließen uns diesen Artikel schreiben.

Der Beruf "Taucher" lässt offensichtlich die Abenteuerlust lebendig werden. In der heutigen Zeit kann es kaum noch Pioniere geben, wir sind offensichtlich zu spät geboren: Die großen Abenteuer sind alle schon erlebt.

Aber es ist wohl die Sehnsucht vieler in der heutigen Zeit, den Normen, den täglichen Zwängen und der Routine zu entfliehen. Es wird angestrebt, sich durch die Gestaltung des eigenen Lebens von der Masse abzuheben. So zieht es manchen jungen Menschen in Berufsbereiche, die nicht den gängigen Vorstellungen entsprechen. Und Tauchen gehört dazu. Die heutigen Medien lassen mittlerweile alle nur erdenklichen Welten in jedem Haushalt aufleben. Von Jules Verne bis zu Star Trek: "Fremde Welten" gibt es in fast allen Heimen. Mit den ersten UW-Filmen von Hans Hass, die mit internationalen Filmpreisen ausgezeichnet wurden, begann in der Nachkriegszeit die UW-Welt in die Fernseh-Gemeinde dieser Erde Einzug zu halten. Die Faszination dieser fremden und lebendigen Welt als Teil unseres Planeten musste damals auf die Menschen gewirkt haben, als ob heute Science Fiction Wirklichkeit würde. Die Faszination des Tauchens hat sich bis heute gehalten, nur dass nicht mehr eine Minderheit in den Industrienationen diese Welt erleben kann, sondern fast jeder, sofern er gesund ist. Mit der Entwicklung autonomer Tauchgeräte zu erschwinglichen Preisen, begann der Boom der Taucherei für jedermann, der bis heute anhält. Berufstaucher und militärische Taucher gibt es aber schon seit viel längerer Zeit. Sie sind die wahren Pioniere, die die UW-Welt lange vorher zu erobern versuchten. Und so ranken sich zahlreiche Geschichten um diese Männer, denn Frauen waren zu jenen Zeiten in der Arbeitswelt der Männer nicht zu finden. Romane, Beiträge in Zeitschriften und Nachrichten verklärten und verklären die unzugängliche und unbekannte Welt zu einem Mythos. Kapitän Nemo mit seinen wie eine Mischung zwischen Marsmännchen, Seepferdchen und Fledermäusen anmutenden Tauchern entzückt noch heute jede Menge Fernsehzuschauer auch den einen oder anderen Profi.

Schier unermessliche Schätze berühmter Schiffe und Piraten, von denen man nicht immer weiß, ob es sie überhaupt gegeben hat, galt es, in diversen Geschichten und Filmen unter Einsatz des Lebens zu bergen. Natürlich gehören Kämpfe mit riesigen Meeresungeheuern (die es nicht gibt) in ungeahnten Tiefen dazu. (Man sehe sich doch nur die UW-Action-Filme an – wer hat da eigentlich fachlich beraten?) Das Abendteuer war perfekt! Was heißt „war”: Es ist perfekt! So mutierte der Taucher zum unangefochtenen Helden, dessen Ruf durch die Unwissenheit vieler noch immer lebendig ist.

Furchtlos, hart, geradezu übermenschlich: Attribute, die dem Taucher anhaften (James Bond

sieht daneben geradezu blass aus). Viele träumen noch immer von dem Schatz, den es dem Meer zu entreißen gilt: Abtauchen in die kristallklare, bunte Unterwasserwelt. Schwerelos zwischen Korallen und Fischen dahin gleiten, plötzlich ein Wrack, ein Schatz und mit Ruhm und Reichtum wieder auftauchen, zwischendurch vielleicht noch ein kleiner Kampf mit einem Meeresungeheuer? Der Mythos um die Taucherei ist offensichtlich immer noch ein wenig lebendig. Diejenigen, die darüber schreiben und selber nicht tauchen, tragen das ihrige dazu bei. Zugegeben, es gibt sie, die Schätze vergangener Zeiten und versunkener Schiffe. Aber das ist nicht die übliche Arbeit des Berufstauchers. Kommerzielle Wrackbergungsunternehmen operieren weltweit. Hier herrscht ein harter internationaler Konkurrenzkampf. Dies zeigt, dass es einiges zu holen gibt. Die Taucher, die dort beschäftigt sind, müssen jedoch sehr hart arbeiten und ihr Lohn richtet sich in vielen Fällen nach dem Erfolg. Der aber kann lange auf sich warten lassen. Gewisse Voraussetzungen für den Beruf "Taucher" müssen erfüllt werden. Neben den gesundheitlichen Voraussetzungen sind das in erster Linie: sich keine falschen Vorstellungen zu machen! Und Angst darf man auch nicht haben. Wie sieht denn die Arbeitswelt des Tauchers aus? Hier verwandelt sich der Kampf gegen die riesigen Meeresungeheuer in den alltäglichen "Kampf" gegen Spundwände, Schiffsrümpfe und Betonpfeiler. Die Suche nach dem unermesslichen Reichtum versunkener Schätze verwandelt sich in Schweißen, Brennen, Spülen, Messen und Untersuchen im unermesslichen Schlick von Hafenbecken. Eine Auto- oder Schiffsbergung kann da schon zum Highlight werden. Es heißt: zu jeder Zeit draußen, am und im Wasser, bei Wind und Wetter.

Nun, draußen bei Wind und Wetter, das müssen auch andere. Aber im Winter am Wasser kann es besonders unangenehm sein. Aber auch das muss nicht jeden abschrecken. Man sollte vorher jedoch darauf gefasst sein. was einen in seinem Beruf erwarten wird. Wie schaut es denn "unten" aus? Zumeist ist die Sicht schlecht bis gar nicht vorhanden. Der Berufstaucher be- zeichnet Sichtverhältnisse als gut, wenn der Sporttaucher nicht einmal in Erwägung zieht ins Wasser zu gehen. Die schönen, bunten Bilder aus dem Fernsehen von Fischen und Korallenriffen verschwinden. an ihre Stelle tritt der Anblick (so- fern es überhaupt einen An- blick gibt) von Schlick. Beton und Stahl. Und wenn es keinen Anblick von irgendetwas gibt. so ist mal wieder Tasten angesagt. Das "kristallklare" Wasser verwandelt sich in eine noch trübere, braune Brühe, die auch schon mal kontaminiert sein kann. Der Taucher leistet eigentlich ganz normale Handwerksarbeit. nur muss er dieses unter erschwerten Bedingungen tun. Oft genug arbeitet er auch      blind und ohne die Hilfe der Schwerkraft. die in der atmosphärischen Welt herrscht. Unter Wasser ist die Schwerkraft verändert. Um sich in ihr wie‑ der bewegen zu können. muss der Taucher entsprechend beschwert werden. nicht gerade förderlich für die Bewegungsfähigkeit. Was aber viele nicht bedenken: Das Tauchen ist der kleinste Teil in diesem Beruf. Viel häufiger ist man Signalmann oder Taucherhelfer und   das ist vor allem im Winter kälter als das Tauchen selbst. vielleicht noch ein kleiner Vor dem Tauchen kommt das Ein‑richten der Baustelle. die Vorbereitung für die Tauchgänge. die Überprüfung des Equipments und das ist mehr als nur die Taucherausrüstung. Funktioniert das Hydraulikwerkzeug. das Schweißgerät. der Generator. ist die Kommunikation einsatzbereit? Am Ende des Tages (und der kann lange dauern) kommt die tägliche Wartung der Gerätschaften. die nicht in fünf Minuten erledigt.

Viele Taucherunternehmen arbeiten bundesweit. einige auch im Ausland. Der Taucher geht auf Montage. Für einige ist das genau das Richtige, für andere nicht unbedingt. Was den Beruf interessant macht, ist die Möglichkeit der Abwechslung: ständiges improvisieren und für schwierige Aufgaben eine Lösung finden. Eine Arbeit, die nicht so schnell zur Routine wird. Man arbeitet zwar immer in einer Gruppe, aber "unten" ist man allein. Das muss man schätzen können. Vielleicht auch eine Herausforderung gegen sich selbst. Taucher sind Individualisten. Taucher, die dabeigeblieben sind, kann man sagen: "Sie haben nicht nur einen Beruf, sie sind auch berufen." Es ist die Mentalität eines jeden einzelnen, die ihn befähigt Taucher zu werden oder nicht. Es sind nicht "Helden", die zu Berufstauchern werden, aber ein besonderer Schlag Mensch ist es schon. Wer des Geldes wegen Taucher werden möchte, ist hier besonders schlecht beraten. Die allgemeine Baubranche hat mit Dumpingpreisen zu kämpfen und das macht vor den Taucherunternehmen nicht halt. Die Arbeit unter Wasser erfordern bestimmte Sicherheitsvorkehrungen, so auch, dass eine Tauchergruppe aus mindestens drei Leuten besteht (da ist so mancher Auftraggeber erstaunt: "Wieso, ich brauche doch nur einen Taucher!"...). Die Traumgehälter, die in Gerüchten kursieren, werden nicht bezahlt. Es handelt sich hier um einen Handwerksberuf, nicht um eine Managertätigkeit. Entsprechend schwierige Arbeiten können durch Zulagen jährlich durchaus "gut' bezahlt sein, ob eine Bezahlung "gut" ist, zeigt sich jedoch erst wenn man sieht, was zu leisten ist. Die Aussichten auf einen Arbeitsplatz sind allerdings wirklich recht gut: Fast jedes Taucherunternehmen kann gute Taucher gebrauchen. Die Betonung liegt hier auf gut! Wirklich gute Taucher scheinen rar zu sein. Es erfordert schon eine besondere Mentalität als Taucher zu arbeiten. Die kann man nicht erlernen, die muss man haben! Aber ein guter Taucher ist man nicht, der muss man werden! Gute Taucher zeichnen sich durch ihre handwerkliche Geschicklichkeit aus und die bekommt man durch Erfahrung.

Wessen Vorstellungen über diesen Beruf dem Geschilderten entsprechen, kann jetzt weiter lesen und die gesetzlichen Voraussetzungen kennenlernen. Bei dem Beruf "Geprüfter Taucher" handelt es sich um einen Fortbildungsberuf. Voraussetzung für die Zulassung zur Prüfung: Eine handwerkliche Ausbildung und eine mindestens einjährige Praxis "in einem der einschlägigen Berufe". Dieses^sind Handwerksberufe wie Schweißer etc., aber auch Schiff- oder Bootsbauer, Wasserbauer oder Matrose.

 

  • Der Nachweis über eine schweißtechnische Ausbildung im Lichtbogenhandschweißen     (mindestens 80 Stunden).

  • Ein Nachweis über 200 Tauchstunden. Davon sollen 20 Stunden im Helmtauchgerät absolviert worden sein.

  • Die Taucherausbildung muss in einem von der Berufsgenossenschaft als Taucherlehrbetrieb anerkannten Taucherfirma stattfinden.

  • Das Rettungsschwimmabzeichen DLRG-Bronze oder eine vergleichbare Leistung ist nachzuweisen, ebenso wie die arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung G 31 (ärztliche Untersuchung über die Tauglichkeit für Arbeiten im Überdruck, Tauchtauglichkeit), die wiederholt werden muss.

  • Diese Vorschriften finden sich in der gültigen Verordnung über die Prüfung zum anerkannten Abschluss "Geprüfter Taucher". Anerkannte Ausbildungsbetriebe sind über Industrie‑ und Handelskammern in Kiel und Lübeck zu erfragen.

 


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