DIE PROFITAUCHER - Jürgen Hock - Grootkoppel 29 - 23558 Lübeck - Germany
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Berufstaucher

Tunnelwirtschaft

Text von M.S., Grafik von J.J.H.

 

Warum fliegen in der Frühstückspause die Gullydeckel an Moni's Imbiss vorbei und was hat der Lübecker Herrentunnel damit zu tun?

 

Im Zuge der Vorbereitungen für den Herrentunnel sicherte man frühzeitig die bereits bestehenden Wasser- und Abwasserleitungen der näheren Umgebung des Arbeitsbereiches des Bohrers ab.

Taucher stiegen in einen 8m tiefen Kanalschacht, um in der Rohrleitung Abdichtblasen zu setzen. Auf einer der Technologie eines Skateboardes geklauten Wanne mit Rädern bewegte sich der Taucher nun 60m tief in das Rohr. Dabei zog er Stützstreben sowie Blase in Vorhalte - und die Luftversorgung für ihn sowie für die Blase hinter sich her. Bei 60m stoppte ihn die Oberflächencrew, und er konnte die Blase durch Stützstreben gesichert setzen.

 

Nachdem der Maximalfülldruck erreicht war, machten sich die Taucher an die gegenüberliegende Seite. Hier war jedoch  aufgrund von Zu- und Umleitungen nur 30m Platz. Nach erfolgreichem Abdichten wurden zur Sicherheit noch 120m³ Sand als Puffer auf den Kanalschacht geschüttet.

 

Als während der anschließenden Bohrarbeiten nun ein immenser Druckverlust auftrat, stellte man fest, dass sich der vor dem Bohrkopf auftretende Druck einen Weg durch eben diese Kanalisation gesucht hatte. Hierbei drückte er nicht nur den Sand und die 30m entfernte Blase samt Streben kurzerhand aus der Verankerung, sondern blies dahinter noch in 600-700m Entfernung die Gullydeckel ca. 2m in die Höhe.

 

Eine Notabdichtung musste her. Nach Öffnung des Kanalschachtes wirkte erst einmal 2 Tage ein Saug- und Spülwagen, um die außerordentlich unappetitlichen festen Bestandteile zu entfernen, welche jetzt so in dem Schacht umher trieben. So wurde überhaupt ein betauchbares Medium für die Crew geschaffen.

 

Diese Hürde genommen - galt es nun, das 80cm-Rohr temporär so zu verschließen, dass es dem Bohrdruck Stand hält. Zuerst wurde eine zerlegbare Stahlplatte mit Füll- und Entlüftungsstutzen (wegen des leider nur 60cm-Kanaldeckel) hergestellt. Diese verankerte das Tauchteam hinter einer weiteren doppelt verstrebten Blase und füllte zusätzlich etwa 3m³ Beton in das Rohr.

Nach dessen Austrocknung war das Rohr "bombenfest" und es konnte weitergebohrt werden.

 

Einige Zeit später machte sich nun das Tauchteam an den Rückbau der Dichtmaßnahme, durch die das Rohr nicht beschädigt werden durfte.

Deshalb ging es dem Betonpfropf mit Atemschutz unter vorsichtigem Presslufthammereinsatz an den Kragen, während sich dieser wie wild wehrte und diverse Meißel niederstreckte. Trotzdem gelang es in nicht einmal 15 Tagen Schwerstarbeit unter widrigsten Bedingungen, etliche Meter Betonsäule zentimeterweise herauszustemmen und aus dem Rohr herauszuloren.

 

Nach Laservermessung wurde das Rohr auf der entgegengesetzten Seite durch die speziell angefertigte Platte nochmals provisorisch wasserdicht verschlossen, um die abschließenden Schachtarbeiten abzusichern.

 

"Puuuh!" sagte das Tauchteam... nach 3 Wochen im Loch.


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