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Berufstaucher

"Rhein in Flammen"
- Tankschiffexplosion in Ludwigshafen

Text und Fotos: Kuno H. G. Perplies

 

Im März 1970 kam es vor dem Werksgelände der BASF in Ludwigshafen zu einer der größten Schiffskatastrophen im Rhein/Neckargebiet.

Das Tankmotorschiff "ST. JÜRGEN" aus Lübeck hatte mit einer Ladung Benzol in den Abendstunden bei der BASF angelegt, um dort die Ladung zu löschen. Der Schiffsführer hatte sich mit den Ladepapieren an Land begeben. An Bord wurden die Löschschläuche angekuppelt und die Entladung begann.

Der Entladevorgang lief seit ca. 30 Minuten, der Schiffsführer hatte das Büro des Verlademeisters soeben verlassen und war auf dem Rückweg zu seinem Schiff, als urplötzlich mehrere gewaltige Explosionen die Stille der Nacht zerrissen und Feuersäulen vom Schiff in die Höhe schossen. Das Tankschiff "ST. JÜRGEN" war explodiert und legte sich brennend mit der Backbordseite auf Grund. Das ausfließende Benzol verwandelte den Rhein bis fast nach Worms in ein Flammenmeer. Drei vor Anker liegende Schiffe wurden durch die Flammen beschädigt.

Außer dem - zum Explosionszeitpunkt an Land befindlichen - Schiffsführer überlebte niemand der noch an Bord anwesenden Personen diese Katastrophe. Die Leichen von drei Erwachsenen und einem Kind wurden nach und nach aus dem Rhein geborgen, die eines Kleinkindes war längere Zeit nicht auffindbar.

Am Rosenmontag erhielten wir eine Anfrage, ob wir kurzfristig das gesunkene Schiff untersuchen könnten. Gleichzeitig wurde mitgeteilt, dass immer noch akute Explosionsgefahr bestünde und eine andere Taucherfirma deswegen diese Arbeit bereits abgelehnt hatte. Die Schadensaufnahme durch PERPLIES, TAUCHER-SERVICE erfolgte noch am gleichen Tag. Hierbei wurden fünf verschiedene Explosionsherde ermittelt und festgestellt, dass sich im gekenterten Schiff noch größere Benzolreste befanden.

Bei der anschließenden Lagebesprechung wurde Einvernehmen darüber erzielt, dass vor einer Bergung das hochexplosive Luft/Benzolgemisch aus den Laderäumen entfernt werden musste. Zu diesem Zweck wurden die Deckel der Laderäume von unseren Tauchern geöffnet und an den Steigleitern in jedem Laderaum ein Schlauch festgebunden. Durch diese Schläuche wurden 72 Stunden lang insgesamt 18 000 m3 Stickstoff in die Laderäume gedrückt und damit das explosive Gemisch ausgespült. Zu der anschließenden Bergung wurden die beiden Hebeböcke "HAI" und "GIGANT" - mit je 200 Tonnen Hebekraft - eingesetzt.

Nachdem das Schiff unterfangen war, wurde es etwas angehoben und dann, in den Hebeseilen hängend, in die normale Position gedreht. Durch das Ineinandergreifen von ständigem Pumpen, Abdichten und Heben war das Schiff bald wieder schwimmfähig. Dass bei einer Bergung nach solch einer Katastrophe das Deck des Wracks alsbald von Angehörigen der Staatsanwaltschaft, der Wasserschutzpolizei und der Presse ziemlich bevölkert war, scheint eher eine "notwendige Konsequenz" zu sein. Ca. 20 Personen befanden sich bereits seit einer halben Stunde an Deck, als plötzlich einer der Journalisten auf ein graues Bündel hinwies, das eingeklemmt zwischen den Leitungen lag. Schnell wurde festgestellt, dass es sich um das letzte an Bord gesuchte Opfer der Katastrophe handelte.


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