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Biologie

Delfin: Der intelligente Meeressäuger gilt seit der Antike als SymphatieträgerTödliches Virus bedroht Delfine und Wale

 

 

 

 

 

 

Barcelona - Das spanische Umweltministerium schlägt Alarm: Nach dem Fund mehrerer an einem hoch ansteckendem Virus verendeten Delfine hält es die Bestände von Delfinen und Walen im Mittelmeer für akut gefährdet. Spanien macht auch die anderen Mittelmeer-Anrainer auf das Problem aufmerksam und fordert zu erhöhter Wachsamkeit auf. Gewebeproben würden derzeit noch an der Universität Valencia analysiert, für den 13. September ist eine Sitzung von Vertretern regionaler Behörden und Umweltexperten anberaumt.
 

In diesem Jahr wurden an der spanischen Mittelmeerküste mehr als 35 verendete Meeressäuger angeschwemmt. Wie die Zeitung "El Periódico de Catalunya" am Samstag berichtete, wurde bei einigen von ihnen ein gefährliches Virus entdeckt. Dieses ähnele sehr stark dem Erreger, der vor 17 Jahren ein Massensterben unter Delfinen ausgelöst hatte.

Damals war die Krankheit zuerst an der Küste von Valencia entdeckt worden. Sie breitete sich aber über fast das gesamte Mittelmeer aus. In den Jahren 1990/91 wurden mehr als 1000 tote Delfine an die Küsten geschwemmt. Nach Schätzungen sollen insgesamt 4000 bis 8000 Tiere an der Viruskrankheit gestorben sein. Damals waren nur Blau-Weiße Delfine betroffen. Die Wissenschaftler befürchten nach Angaben der Zeitung nun, dass der Erreger durch eine Mutation auch andere Arten von Meeressäugern befallen könne.

Bei dem Virus handelt es sich offenbar um eine Variante aus der Gattung der Morbilliviren, zu denen unter anderem der Masern-Erreger, Staupe und Seehund-Staupe sowie Rinderpest gehören. Das gefundene Virus ähnele am ehesten dem Masern-Erreger. Es befalle vor allem die Atemorgane und das Nervensystem der Tiere, greife aber auch auf andere Organe über. Es bestehe die große Gefahr eines neuen Massensterbens, warnte das Zentrum für Meereslebewesen (CRAM) in Valencia. "Das Virus kann Menschen nicht infizieren", sagte der CRAM-Direktor Ferran Alegre der Zeitung "El Periódico de Catalunya". "Dennoch ist es für Badegäste besser, die verendeten Tiere nicht anzufassen."

Hinweise darauf, dass es in diesem Jahr ein Problem für Meeressäuger im Mittelmeer geben könnte, hatte es schon in den letzten Monaten gegeben. Im April dieses Jahres waren in der Region Murcia im Südosten Spaniens fünf tote Grindwale an Land geschwemmt worden. In der Region Valencia und in Katalonien wurden in diesem Sommer mehr als 30 verendete Delfine, Grind- und Pottwale geborgen. Im Jahr 2006 waren an der gesamten spanischen Mittelmeerküste nur drei tote Meeressäuger angeschwemmt worden.

Florida: Superresistente Bakterien

Probleme mit erkrankten Delfinen gibt es in diesem Jahr auch in Florida. Dort ist offenbar eine Population von großen Tümmlern mit superresistenten Escherichia-coli-Bakterien (E.coli) infiziert.

Untersuchungen von Umweltexperten zeigten, dass in bestimmten Regionen bis zu 65 Prozent der untersuchten Tiere befallen waren: Die E.coli-Bakterien erwiesen sich als völlig resistent gegen 19 von 25 getesteten Antibiotika inklusive Penicilin.

Die Tiere selbst scheinen unter der Infektion kaum zu leiden - gefährlich ist sie eher für Menschen. Allerdings könnten Delfine, gerade weil sie selbst kaum für die Bakterien anfällig seien, zu Wirten für superresistente, für Menschen gefährliche Bakterien werden.

Jetzt versuchen die Forscher herauszufinden, woher die Infektion mit den superresistenten Bakterien rührt, die grundsätzlich im Darm von Mensch und Tier zu finden sind. E.coli dient darum als Indikator für die Verschmutzung von Gewässern mit Fäkalien.

Die Gefahr im Bezug auf die superresistenten Stämme: Die Tiere dürften sie über die Nahrungskette erreichen, und in der stehen Menschen an vergleichbarer Stelle. Wenn sich die Delfine mit den E.coli-Bakterien infizierten, sei es nicht unwahrscheinlich, dass auch Menschen über den Genuss von Fisch oder sogar beim Schwimmen damit in Berührung kämen - mit potenziell tödlichen Folgen für Ältere und Personen mit geschwächtem Immunsystem.

Die Quelle der Bakterienverseuchung vermuten die Forscher in lecken Abwassertanks, Kontaminationen aus einer der 19 Kläranlagen im Umkreis der festgestellten Verseuchung oder in der Landwirtschaft: Bauern nutzten zahlreiche Antibiotika bei der Kälberaufzucht.

Aufgefallen war die Verseuchung der Tiere im Rahmen eines Forschungsprojektes, das den Gesundheitszustand von Delfinarten in Floridas Lagunen erfassen sollte. Das Fazit der Forscher fiel auch über die aktuelle Gefahrenwarnung hinaus düster aus: Beide untersuchten Arten litten unter zunehmenden Gesundheitsproblemen, die offenbar durch Verschmutzung ihrer Umwelt verursacht würden.

So fanden sich im Gewebe untersuchter Tümmler unter anderem Rückstände von Feuerhemmenden Stoffen wie Polybromierte Diphenylether (PBDE), wie sie bei der Produktion von Plastik und Schaumstoffen für Computer, Möbelpolster oder Teppichen anfielen. PBDE gilt als toxisch, potenziell krebserregend und den Hormonhaushalt störend. In der EU ist ihr Einsatz seit 2003 entweder verboten oder - in Bezug auf einige Stoffe - sehr stark reguliert.

pat/AFP/dpa


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