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Biologie & Medizin

Die Wollhandkrabbe

Langzeitgast und aktuelles Problem  

Text von Stefan Gollasch und Niels Böttcher

 

Eine eingeschleppte Krebsart aus China lebt seit Anfang dieses Jahrhunderts an Deutschlands Küsten und in den Flüssen - die Wollhandkrabbe (Eriocheir sinensis). Stetige besserer Wasserqualität führte zu Massenvermehrungen.

Die Elb- Staustufe bei Geesthacht, knapp 30 km südwestlich von Hamburg, staut die Elbe. Fische und Krebse können die künstlichen Stromschnellen flussaufwärts nicht überwinden, aber eine Fischtreppe führt um die Staustufe herum. Anfang Mai verwandelten unzählige Wollhandkrabben und die Uferböschung der Fischtreppe in eine einzige lebende Masse.

Anfang unseres Jahrhunderts an wurde diese Chips Art unbeabsichtigt im Ballastwasser von Schiffen oder im Schutze des Bewuchses an der Schiffsaußenhaut von China nach Deutschland eingeschleppt.

1912 wurde die Wollhandkrabbe erstmals in der aller nachgewiesen. Der Erfolg dieser Art wurde durch ähnliche Lebensräume und Klimabedingungen des Herkunftsgebiets (Nordchina) und der Deutschen Bucht begünstigt. Konkurrenz gab es nicht, denn der Lebenszyklus dieser Krabben ist geprägt durch ihre Wanderungen zwischen Gewässern verschiedener Salzgehalte. Im Meerwasser entwickelten sich die Larven zu Jungtieren, bewegen sich dann die Flüsse hinauf. Im Herbst wandern adulte Krabben zur Fortpflanzung zurück in die Flussmündungen.

Keine heimische Krebsart zeigt ein solches Verhalten. Die Krabben in stellen auch keine hohen Nahrungsansprüche und geben sich mit jeglichen Nahrungstieren, Aale und Algen zufrieden. Aufgrund dieser günstigeren Bedingungen kam es zu einer Massenentwicklung der Wollhandkrabbe in den 30er und 40er Jahren. Dann ging die Populationsdichte durch die ansteigende Gewässerverschmutzung zurück. Seit Beginn der neunziger Jahre sinkt die Belastung der Gewässer und es wird ein erneuter Anstieg der Wollhandkrabbenpopulation beobachtet.

Die Elbfischer bemerkten dies schon ab 1995. Der Diplomingenieur Bernd-Jürgen Strauch vom Wasser- und Schifffahrtsamt Lauenburg bestätigt diese Beobachtung: "Als wir kurz vor Ostern dieses Jahres die neue Fischtreppe erstmalig in Betrieb nahmen, wanderte in die Wollhandkrabben sofort in die Fischtreppe ein und schauten sich vor dem Wehr". wie in den 30 er und 40 er Jahren, gehen mit dem Massenaufkommen dieser Krabbenart negative Auswirkungen einher. Die Krabben in bauen Wohnröhren in die Uferbefestigungen und beschädigen sie dadurch.

Auch gehen die Fangerträge in der Fischwirtschaft zurück. Christian Köthke, Berufsfischer und Sprecher der Elb- Fischer in Niedersachsen:" die herkömmliche Fischerei mit Reusen, zum Teil in die Erwerbsfischerei möge die Menge insgesamt, ist unrentabel jungen geworden. Die Wollhandkrabben zerfressen die Netze und verletzten bzw. töten die gefangenen Fische. Sie fressen sich buchstäblich ihren Weg durch die Elbe. Schon an durch ihre schiere Masse kommt es dabei zu einer massiven Verfälschung des gesamten Biotops." Zusätzlich gelangten die Krabben auf ihren Wanderungen in die Fischteiche. Dort ernähren sie sich von den Zuchtfischen und / oder deren Nahrung.

Vielleicht bieten in sich aber zumindest für die Fischerei in absehbarer Zeit Alternativen. So laufen erste Versuche, die Krabben als Nahrungsmittel zu verwerten. Um die negativen Effekte so klein wie möglich zu halten, wurden seit dem ersten Auftreten dieser Art Fanggeräte entwickelt und aufgestellt, allerdings mit umstrittenen nutzen. Auch in die dieses Jahr fertig gestellte Fischtreppe bei der Elb- Staustufe Geesthacht wurde eine "Wollhandkrabben- Schikane" eingebaute.

Über die Wirksamkeit dieser Fanganlage und ähnlicher an anderen Orten ist noch nichts bekannt. Und so blickt man heute mit Besorgnis auf die ansteigende Population der Wollhandkrabben!


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