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Bundespolizei

Tauchen

von Dietrich Heesen, Fotos: F. Turowski

 

Die Bundespolizei begegnet dem Bürger in der Öffentlichkeit besonders an den Auslandsgrenzen, wenn dort grenzpolizeiliche Kontrollen erfolgen - wie z.B. an den Ostgrenzen Deutschlands oder auf Flughäfen. In seiner Eigenschaft als Bahnpolizei wehrt sie Gefahren für die Bahn und deren Benutzer ab; auf vielen Flughäfen ist er für die Sicherheit des Luftverkehrs verantwortlich - er verhindert z.B. Anschläge auf Flugzeuge und Entführungen.


Darüber hinaus obliegt diesem Zweig der Bundespolizei der Schutz von Bundesministerien und Verfassungsorganen des Bundes in Bonn, Berlin und Karlsruhe. Weniger bekannt ist sicherlich, dass das Tauchen im Bundesgrenzschutz systematisch und professionell betrieben wird.


Das taucherische Herz der Bundespolizei schlägt seit Jahrzehnten in Lübeck. In der von Besuchern gelegentlich als idyllisch" bezeichneten - Anlage der Grenzschutzschule im Lübecker Stadtteil St. Hubertus sind die personellen und materiellen Ressourcen für das Tauchen zu finden. Die dortige Dienststelle verfügt u.a. über leistungsstarke Kompressoren, 10 komplette Tauchergarnituren, einen ca. 4 m tiefen
Tauchtopf, diverses zusätzliches Equipment - wie UW-Telefone - und ein eigenes Schwimmbad. Geräte der Fa. Dräger (PA 38/3 600) bestimmen heute das Bild: die technischen Ahnen stellen Geräte wie PA 371 600 sowie das Kreislaufgerät Leutnant Lund II (Dräger) dar.

Erfahrene Tauchlehrer und Ausbilder befähigen Angehörige der Bundespolizei und der Länderpolizeien, Polizeiaufgaben notfalls auch unter Wasser zu erfüllen. Die Ausbildung ist so vielfältig wie die späteren Einsatzmöglichkeiten: die Absuche von Schiffen unter Wasser nach verstecktem Rauschgift gehört ebenso dazu wie die Suche nach Leichen, Waffen, Pkw, versenkten Fahrkartenautomaten, Behältern mit Umweltgiften oder auch `heißer' Beute. In der Nähe von Lübeck gibt es geeignete Freigewässer, in denen das notwendige taucherische Know - how vermittelt wird: Im Ratzeburger See hat die Bundespolizei einen festen Taucherstützpunkt mit Aufenthalts, Geräte- und Kompressorraum sowie Sanitäreinrichtungen - hinzu kommt eine Taucherplattform. Im Sommerhalbjahr wird der Stützpunkt oft genutzt. Zur Sicherheit werden bei Übungen eine transportable Druckkammer (für einen Taucher und einen Helfer) und ein Sauerstoffgerät mitgeführt.#

Die untere Landschaftsschutzbehörde hat das Tauchen im See. der im übrigen restriktiven Umweltschutzbestimmungen unterliegt. ausdrücklich erlaubt. Gelegentlich werden weitere Gewässer genutzt - wie der Plöner See, die Trave oder die Eckernförder Bucht vor Surendorf. Bis vor wenigen Jahren leistete die Bundeswehr großzügige Unterstützung: Sie stellte für einwöchige Taucherausbildungen ihre Taucherschulschiffe "Juist" und "Baltrum" aus Neustadt (in Holstein) zur Verfügung - heute ist der Kontakt "etwas eingeschlafen".

Interessierte Polizeibeamte, die Polizeitaucher werden wollen. müssen mindestens 18 Jahre alt und gesund sein - eine berufliche handwerkliche oder technische Erfahrung wird als förderlich angesehen. Das Höchstalter, bis zu dem getaucht werden darf, bestimmt im Zweifelsfall der Taucherarzt. Spätestens wenn er den Daumen senkt, können die Beamten diese Funktion nicht mehr ausüben.

Der Dienstherr - dies ist für Bundesgrenzschutzbeamte die Bundesrepublik Deutschland -sichert seine tauchenden Beamten ähnlich wie sein fliegendes Personal zusätzlich ab: Ein Tauchunfall ist grundsätzlich ein sog. qualifizierter Dienstunfall, der eine verbesserte Unfallfürsorge nach sich zieht. Bei der Besoldung gibt es eine Taucherzulage, die jedoch nur bei tatsächlich geleisteten Einsätzen und Übungen gezahlt wird und sich als Erschwerniszulage an den tatsächlichen Belastungen vor Ort orientiert. Nicht ausreichend ist insoweit eine reine Schreibtischtätigkeit - z.B. als "Geräteverwalter". Zur Aufrechterhaltung der Befähigung als Polizeitaucher ist eine Mindesttauchzeit von 12 Stunden im Jahr erforderlich.

Besonders stolz ist der in Lübeck unmittelbar für das Tauchen verantwortliche Erste Polizeihauptkommissar Pein auf die bisherige Unfallbilanz: Innerhalb der letzten 40 Jahre ist bei ca. 1 200 ausgebildeten Tauchern kein einziger nennenswerter Tauchunfall zu verzeichnen gewesen - sicherlich ein Gütesiegel für die Qualität der geleisteten Arbeit.

Noch ein Wort zum "schlanken Staat": Die der öffentlichen Hand allenthalben verordnete Fastenkur geht auch an den für das Tauchen Verantwortlichen in Lübeck nicht spurlos vorüber: Helmtaucher sind z.B. inzwischen abgeschafft. Beschaffen und Unterhalten der Ausrüstung kostet Geld; ein "sponsoring" (z.B. durch Hersteller von Tauchartikeln) ist noch unbekannt - zu nah liegt in diesem Zusammenhang der Verdacht der "Korruption im öffentlichen Dienst".

Es bedarf der Einsicht bei vorgesetzten Dienststellen, dass gut ausgebildete Polizeitaucher auch einen nicht unwesentlichen Beitrag zur inneren Sicherheit zu leisten vermögen -dies wurde der großen Öffentlichkeit zuletzt 1997 beim Jahrhunderthochwasser an der Oder sichtbar vor Augen ge­führt. Sicherlich war der Einsatz der Taucher, die unter Wasser Planen zum Schutz der Deiche ausgebracht hatten, mitentscheidend dafür, dass das Oderhochwasser seine verheerende Wirkung nicht über noch viel größere Flächen entfalten konnte. Nicht nur die äußere Sicherheit, sondern auch die innere kostet ihren Preis - zum Nulltarif ist auch sie nicht zu haben.

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Updated by Roy Witkovsky

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