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Bundesmarine

Mitreißende Ausbildung in der Loisach

Die Pioniertaucher aus Percha

Von Christian Plate

 

Was müssen Pioniertaucher eigentlich machen? Wofür werden sie gebraucht und welche speziellen Dinge müssen sie dafür lernen ? Ein Bericht über einen Ausbildungstag der Pioniertaucher an dem Taucherausbildungszentrum des Heeres in Percha.

Das Wetter ist etwas unangenehm, als die Truppe in den frühen Morgenstunden versammelt und damit beschäftigt ist, die Ausrüstung in dem Tauchlastwagen zu verstauen. Einer der Auszubildenden muss noch ärztlich versorgt werden. Er hat sich beim Sport eine Verletzung zugezogen und wird die Ausbildung vorzeitig beenden.

Dies ist nach Auskunft des Ausbildungsleiters, Hauptmann Hoffmann, "nicht so schlimm", da die Prüfungen und die meisten Tauchgänge bereits erfolgreich absolviert wurden. Anschließend geht es mit den jetzt 11 Auszubildenden an die Loisach, um das Tauchen in fließenden Gewässern zu üben.

Tauchen in Fließgewässern ist ein wichtiger Teil der Ausbildung. Die Pioniertaucher haben die Aufgabe, Brücken zu sichern, im Wasser nach Hindernissen Ausschau zu halten und Wege durch Flüsse zu erkunden. Auch leichte Schweißarbeiten und das Sprengen unter Wasser werden durchgeführt.

Zunächst müssen die Soldaten die Grundausbildung der Bundeswehr absolvieren, erst danach können sie sich zu den Pioniertauchern melden. Nach entsprechender gesundheitlicher Eignung durchlaufen die Taucher all das, was viele andere auch in ihrer Ausbildung durchmachen müssen: Theorie, drei Wochen Hallenbadausbildung, anschließend Ausbildung im Freiwasser.

Dafür sind die Voraussetzungen bei der Bundeswehr in Percha optimal. Nicht nur der Starnberger See liegt unmittelbar vor dem Bundeswehrgelände, sondern es stehen zwei Fähren zur Verfügung, die mit Kompressor, Ausrüstung, geheizten Räumen usw. versehen sind. Von hier aus kann bestens getaucht werden. Auf der Fähre wird Helmtauchen genauso wie Tieftauchen unterrichtet. Das Tieftauchen ist im Starnberger See besonders gut möglich: Er misst 127 Meter an der tiefsten Stelle.

Auch wenn die Voraussetzungen generell optimal sind, gibt es noch ein paar Schwierigkeiten mit der Hallenausbildung. Das Schwimmbad und der Tauchtopf sind leider nicht einsatzklar und es noch nicht entschieden, ob zur nötigen Reparatur Gelder vorhanden sind. Das Überbrücken dieser Schwierigkeiten ist für den langjährigen Ausbildungsleiter Hauptmann Hoffmann kein Problem: Die Ausbildung im Becken wird für diese Zeit in der Trainingshalle der Bereitschaftspolizei in München absolviert.

Doch zurück zur Loisach. Mit dem Tauchlastwagen und der Mannschaft kommen auch das Sanitätsfahrzeug und der Taucharzt zur Einsatzstelle. Er gehört zur Ausbildungsstätte Percha und ist auch für die dort stationierte Behandlungskammer zuständig. Ihm sind zwei Taucherarztgehilfen zugeteilt, die ebenfalls für die Sicherheit Sorge tragen. Die Einsatzstelle an der Loisach liegt unterhalb einer Brücke. Zuerst wird das Schlauchboot mit Außenborder "klargemacht" und zu Wasser gelassen. Von diesem Boot aus wird zunächst die Strömungsgeschwindigkeit gemessen. Sie beträgt 0,6 - 0,7 Meter pro Sekunde. Dann macht das Boot unterhalb der Einsatzstelle fest. Es dient als Rettungsboot mit Rettungs- bzw. Reservetaucher. Die vier Tauchgruppen, die jeweils aus zwei Personen bestehen, machen sich nach der Einsatzbesprechung klar zum Tauchen. Die Zweiergruppen bestehen jeweils aus einem Taucher und einem Signalmann.

Ziel der ersten Aufgabe ist es, das andere Ufer zu erreichen. Die Sicht ist relativ gut und es wird vom Tauchausbilder darauf hingewiesen, sich gut in die Strömung zu legen und nicht quer zu ihr im Wasser zu liegen. Die Tiefe des Flusses beträgt knapp vier Meter - es soll versucht werden, am Grund des Flusses entlang zu tauchen. Der Taucher ist über Kommunikation mit dem Signalmann verbunden.

Alle vier Gruppen erledigen ihre Aufgabe gut und melden am anderen Ufer das o.k. Danach gilt es, den Gewässergrund schrittweise abzusuchen. Hierbei kommt "einiges zutage". Schließlich liegt der Einsatzort unter einer stark befahrenen Brücke! Nach Abschluss der Pioniertaucherausbildung mit ungefähr 70-80 Tauchstunden und nach dem Ende der Bundeswehrzeit können die Taucher als Signalmann arbeiten.

Nur für Zeitsoldaten besteht die Möglichkeit, die Prüfung als "Geprüfter Taucher" abzulegen. Dies ist bereits seit 25 Jahren in Percha möglich; die Prüfung wird von der Berufsgenossenschaft abgenommen. Um den Ausbildungszielen gerecht zu werden, ist die Ausbildungsstelle in zwei Aufgabengebiete geteilt. Die eine Gruppe leitet Hauptmann Hoffmann, die zweite Hauptmann Faust. Während die Pioniere in der Loisach tauchen, übt die andere Gruppe das Tieftauchen im Starnberger See.

Am Schluss des Tages, nachdem alle Tauchgänge erledigt und die Aufgaben gelöst sind, geht es zurück in die Ausbildungsstätte nach Percha. Die Pioniertaucher sind dort bis zum Ende der Ausbildung in Mannschaftsräumen untergebracht. Sie gehen nach Abschluss der Ausbildung wieder in ihre Einheiten zurück. Nur während der Ausbildungszeit besteht eine feste Pioniertauchergruppe. Sie ist mit Bootsführern, Signalmännern, Tauchern, Taucharzt, technischem Gerät usw. autonom ausgerüstet und kann selbständig agieren.

Auf dem Gelände der Bundeswehr befinden sich auch das Materiallager, die Tauchausrüstung und andere notwendige Bedarfsartikel für die Tauchausbildung. Die dort herrschende - sehenswerte - Ordnung steht im krassen Gegensatz zu der in manchen zivilen Tauchbetrieben.

Links: http://www.bundeswehr.de/


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