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Forschung

Odyssee "Galathee" , Anklage wegen Spionage

Text und Fotos Kuno H. G. Perplies

 

Bergungs- und Forschungsunternehmen sollten besonders im Ausland gut vorbereitet sein. Jede Unternehmung mit Expeditionscharakter entwickelt ihre Eigendynamik mit "Zwischenfällen" - einige lassen sich durch sachgerechte Vorbereitungen verhindern.

 

Im Dezember 1995 schiffte sich eine Gruppe von sechs Tauchern für eine Forschungsexpedition mit Ziel Indien (Region Cochin) ein.

 

Die Gruppe bestand aus den Tauchern Blanchet, Elle, Mattees, Clavel, Lejeune und Proust. Sie beabsichtigte, eine vor über 200 Jahren in diesem Gebiet gesunkene bewaffnete portugiesische Handelsfregatte zu suchen und zu erforschen.

 

Leider war das Unternehmen bei den dortigen Behörden nicht angemeldet und demzufolge gab es auch für dieses Vorhaben keine vorherige Genehmigung aus Indien.

 

Die Überfahrt mit dem Hochseekatamaran "Galathee" verlief verhältnismäßig problemlos und die Sucharbeiten im Zielgebiet konnten zielstrebig in Angriff genommen werden.

 

Das Suchgebiet lag teilweise in indischen Hoheitsgewässern, was für sich betrachtet, wohl weniger problematisch war. Viel gravierender und ursächlich für die folgenden Ereignisse und die kommende Gefahr für Schiff und Besatzung war die Tatsache, dass das Suchgebiet unmittelbar vor einer indischen Marinebasis lag. So war fast vorprogrammiert, dass schon nach kurzer Suchar­beit die indische Marine auf dem Plan erschien, das Schiff aufbrachte, die Besatzung in Haft nahm und ins Gefängnis verbrachte.

 

Bittgesuche von Angehörigen der Inhaftierten und von "Scaph 50" (einem Zusammenschluß von Berufstauchern in Frankreich) beim indischen Botschafter in Paris brachten für die Festgenommenen eine bescheidene Erleichterung: Sie wurden zwar aus dem Gefängnis entlassen, jedoch in einem anderen Gebäude unter Hausarrest gestellt.

 

Im März 1997 (also nach 1 1/4 Jahren!) wurden vier der Festgenommenen in Freiheit entlassen. Weiter unter Hausarrest blieben Clavel und Elle.

 

Bei den folgenden Verhandlungen auf Regierungsebene, in die sich auch der französische Staatspräsident einschaltete, ist es im Januar 1998 (nach 2 Jahren und einem Monat!) gelungen, auch die beiden letzten unter Hausarrest stehenden Mitglieder der For­schungsgruppe frei zu bekommen.

 

Entscheidend für die Freilassung waren das Ehrenwort von Clavel und Elle, zum Gerichtstermin in Indien zu erscheinen und die Zusage der französischen Regierung, für deren Erscheinen zu sorgen. Der Hochseekatamaran "Galathee" mitsamt der Tauch- und Forschungsausrüstung ist weiterhin im Gewahrsam der indischen Marine.

Die Anklage gegen Clavel und Elle lautet: "Spionage".


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