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Expedition & TecDiving

Tauchexpedition Grönland 2000

Text und Fotos Regine Frerichs

 

Im August 2000 haben sich zwölf Taucher zu einer privaten Tauchexpedition ohne kommerziellen Hintergrund nach Grönland aufgemacht. Berichte über Expeditionen aller Art gibt es viele. Was aber vor und hinter solchen aufwendigen Unternehmungen steht, findet man kaum. Daher soll in diesem Bericht vor allem dem organisatorischen Teil Rechnung getragen werden.

Um so ein Unternehmen erfolgreich durchzuführen ist eine lange und sorgfältige Planung notwendig.
Ein Jahr vor Beginn der Expedition haben wir mit den Vorbereitungen begonnen. Der Anfang ist durch endlose Informationssammlungen und Recherchen geprägt.

Das grobe Ziel stand fest: Ein Tauchcamp in Grönland.
Aber wo dort? Grönland ist groß, immerhin die größte Insel der Welt. Wir entschieden uns für die Westküste, da es hier keine Eisbären gibt.
In Regionen mit dem größten Landbeutegreifer wären entsprechende Sicherheitsmaßnahmen notwendig, auf die wir verzichten wollten.


Nun musste der genaue Ort gefunden werden. Die Infrastruktur setzt da schon Grenzen:
In Grönland gibt es keine ortsverbindenden Straßen. Aber andere Dinge beeinflussen die Wahl eines geeigneten Platzes: Wie können wir uns fortbewegen? Wie weit können wir von einer Ortschaft entfernt sein? Gibt es Süßwasser? Wie kann man das Equipment dorthin bringen? Zu welcher Zeit sind die Gewässer einigermaßen eisfrei?
Viele Dinge entscheiden also die Wahl eines Platzes. Letztendlich entschieden wir uns für Aasiaat, einer kleinen Stadt (ca. 3000 Einwohner) am südlichen Ausgang der Diskobucht. Hier gibt es einen Flughafen und einen Seehafen. Der größte Teil des Equipments sollte verschifft werden, da der Transport im Flugzeug sehr viel teurer ist.

Aasiaat liegt im einem großen Schärengebiet mit unzähligen Inseln, auf denen es auch Süßwasser gibt. Auch gibt es hier keine Gletscher, deren Sedimenteintrag die Sicht unter Wasser gegen Null gehen lassen kann. Die Jahreszeit in der wir fahren wollten, wurde auf den Sommer gelegt. Die monatlichen Durchschnittstemperaturen in dieser Region im Sommer liegen ca. zwischen +5 °C und +8 °C. Wetterumschwünge können schnell kommen und auch im Sommer sind Stürme mit Schnee möglich, wenn auch sehr selten. Entsprechend musste das Equipment ausgewählt werden. Neben Schlafzelten, gab es auch ein Mannschafts- und ein Equipmentzelt. Gerade ein Mannschaftszelt ist wichtig, da man dort die Mahlzeiten einnehmen und sich bei schlechtem Wetter aufhalten kann.

Für unsere Mobilität haben wir zwei Schlauchboote (Zodiak mit 30 PS Yamaha Außenborder, Avon mit 35 PS Mercury Außenborder) mitgenommen. Zwei Boote sollte Minimum sein, falls eines ausfällt, was wir gleich nach ein paar Tagen erleben mussten. Ebenso waren zwei Kompressoren (Komptec Mini) mit dabei. Zum einen wieder als Sicherheit, falls einer ausfällt, zum anderen damit die Flaschen schneller gefüllt werden können. Hier gab es keine Probleme, die Kompressoren liefen einwandfrei. Haltbare Lebensmittel wurden schon vor der Expedition gekauft und auch per Schiff nach Aasiaat geschickt. Vor Ort wurde die notwendigen frischen Sachen noch dazu gekauft. Die Logistikorganisation machte einen großen Teil der gesamten Organisationsarbeit aus. Es musste eine günstige Spedition gefunden werden, die Termine mussten aufeinander abgestimmt werden, das Equipment musste zentral gepackt werden etc.

Für die Sicherheit vor Ort haben wir GPS, Funkgeräte, O2-Koffer und Medikamentenkoffer eingepackt. Eine Druckkammer ist in einem adäquaten Zeitraum nicht erreichbar, daher waren Sicherheitsregeln für das Camp und das Tauchen unumgänglich. Organisation und Durchführung eines solchen Unternehmens sind sehr aufwendig. Wer selber keine Erfahrung in der Arktis hat und auch noch keine Expeditionen gemacht hat, sollte sich nicht auf eine solche Aufgabe stürzen! Sehr hilfreich sind persönliche Kontakte vor Ort.

Anfang August ging es endlich los und wir waren sehr gespannt, ob wir uns so gut wie möglich vorbereitet hatten. Einer der größten Unsicherheitsfaktoren ist das Wetter und das erwischte uns gleich am Anfang mit seiner schlechteren Seite: Es regnete und das sollte die ersten fünf Tage so bleiben!


Höchst ungewöhnlich für die ausgewählte Region, dass es so lange in einem Stück regnet. So wurde gleich deutlich, dass es auf Expeditionen immer unvorhergesehene Dinge gibt. Aber wir hatten eine gute Truppe beisammen, so dass die Stimmung trotzdem sehr gut war. Gleich nach der Ankunft war der Weg vom Flughafen bis zum Hafen zu bewältigen, wobei uns die persönlichen Kontakte vor Ort geholfen haben.

Im Hafen angekommen, wurde das gesamte Equipment aus der Lagerhalle abgeholt und zum Bootsslip gebracht. Hier wurden die Schlauchboote zusammengebaut, Benzin organisiert und noch eingekauft.


Mit einem Teil der Gruppe fuhren wir los, um einen geeigneten Campplatz zu finden, der uns alles bieten konnte: Einigermaßen geschützt, einen Tauchplatz "vor der Haustür" und vor allem Süßwasser. Der Platz war nach zwei Stunden gefunden und nun begann der Transport der restlichen Gruppenmitglieder und des Equipments, was mit insgesamt sieben Fahrten bewerkstelligt wurde. Eine Fahrt dauerte 45 Minuten. Die nächsten Tage wurden mit Tauchen und dem Aufbau des Lagers verbracht. Nachdem der Regen aufhörte, wurden wir dann auch mit dem arktischen Sommer belohnt! 20 Stunden Sonne am Tag und im Windschatten Temperaturen bis +20 °C. In der Arktis gibt es sehr viel mehr Leben, als man gemeinhin erwartet und so konnten wir Wale, Vögel und unter Wasser viele Fische beobachten. In Campnähe wohnte auch ein Polarfuchs, der sehr scheu und daher nur selten zu sehen war.

Wir haben eine unglaublich schöne und faszinierende Zeit am Ende der Welt verbracht. Mit Wanderungen, Tauchen an Wracks und Eisbergen Boot fahren und viel Spaß.

Die karge Landschaft am Polarmeer hat ihre eigene Faszination und zieht jeden in ihren Bann, der sich in der Stille und Weite verlieren kann. In diesem Jahr fahren wir wieder nach Grönland. Nachtrag: Für das Tauchen an und unter bewegtem Eis gibt es sehr spezielle Sicherheitsvorkehrungen, die hier nicht näher erörtert werden. Gründliche Kenntnisse und Erfahrung zum Tauchen in der Arktis sind unumgänglich und nicht unbedingt mit Eistauchen in unseren heimischen Gewässern zu vergleichen!



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