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Forschung:

Die Ausbildung zum Forschungstaucher

Text und Fotos von Andreas Lipp

 

Die tödlichen Unfälle zweier Mitarbeiter eines wissenschaftlichen Instituts bedeuten: Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Diese tragischen Unfälle von 1969 vor Helgoland zogen auch eine Prüfung durch die Berufsgenossenschaft nach sich. Folge: Seit 1970 gibt es den Begriff "Forschungstaucher" in den Unfallverhütungsvorschriften unserer Arbeitswelt.

Gemeint sind wissenschaftliche Mitarbeiter meist öffentlicher Forschungseinrichtungen, die bei wissenschaftlichen Arbeiten unter Wasser tätig sind. Diese sind von der Verpflichtung befreit Berufstaucher zu sein, weil sie keine handwerklichen Tätigkeiten mit gewerblicher Zielsetzung durchführen.

Jedoch muss der berufsgenossenschaftlich geprüfte Forschungstaucher die Unfallverhütungsvorschriften in gleicher Weise wie der Berufstaucher handhaben. Ein "PADI- Research Diver" zum Beispiel bleibt Sporttaucher und seine Beauftragung zu wissenschaftlichen Einsätzen ist grundsätzlich nicht zulässig.

Wie wird man Forschungstaucher?
Vor Beginn der Ausbildung hat der Bewerber die Notwendigkeit der Ausbildung für die Weiterführung oder Aufnahme wissenschaftlicher Programme nachzuweisen.

Die Ausbildung erfolgt nur in einem der zugelassenen Ausbildungsbetriebe (Biologische Anstalt Helgoland, Universität Kiel, TU München, Universität Rostock, Teraqua). Ein grundlegender Teil der Ausbildung kann auch an zugelassenen Vorausbildungsbetrieben absolviert werden (z.B. Universität Oldenburg oder Hamburg). Die Prüfung zum "Geprüften Forschungstaucher" erfolgt durch die Prüfungskommission für Forschungstaucher (PKF) der Tiefbau- Berufsgenossenschaft.

Der Vorlauf mit Hürden
Selbst wenn ein wissenschaftlich begründetes Interesse an der Ausbildung besteht, reichen die Ausbildungskapazitäten nicht aus. Die abschließenden Ausbildungen laufen höchstens einmal im Jahr und sind meist auf je zehn Teilnehmer beschränkt.

Weiterhin hat sich der Kandidat einer Medizinischen Untersuchung nach berufsgenossenschaftlichen Grundsätzen (G31) zu unterziehen. Es gilt auch weitere Zeugnisse vorzulegen. Da im Ausbildungsplan Kenntnisse und Leistungen entsprechend den Anforderungen für das "Deutsche Rettungschwimmabzeichen Bronze" gefordert werden ist dieser Schein aus zeitsparenden Gründen im Vorwege zu erbringen.

Die gilt auch für den vorzuweisenden "Erste-Hilfe-Schein", der nicht älter als ein Jahr sein darf. Zum Abschluss spielt, wie so oft, das Geld eine wesentliche Rolle. Die Kosten für den Auszubildenden summieren sich folgendermaßen: Au- und Abreise, Unterbringung, Verpflegung, teilweise Ausrüstung, Ausbildungsmaterial und Prüfungsgebühr. Die Kosten der Ausbildung werden inzwischen auch nicht mehr in voller Höhe von den jeweiligen Institutionen getragen.

Die Ausbildung
Die Gesamtausbildungszeit beträgt 240 Stunden. Die Ausbildung erfolgt in Abhängigkeit von den Ausbildungsgegebenheiten unterteilt in eine längere Vor- und eine meist zweiwöchige Endausbildung, die dann zwischen sechs und acht Wochen dauert. Die Ausbildung soll innerhalb eines Jahres durchgeführt werden. Während des entsprechenden Zeitraums werden fünf Themenkomplexe behandelt:

  1. Tauchmedizin in Theorie und Praxis (16 Stunden)

  2. Theoretische Gerätekunde (24 Stunden) Vom Aufbau und Funktion eines Atemreglers bis zur Druckkammer.

  3. Sicherheitsbelehrung (12 Stunden) Richtlinien der Berufsgenossenschaft (z.B. ZH 1/540: Richtlinien für den Einsatz von Forschungstauchern), DIN- Vorschriften und Gesetze

  4. Taucherdienst in Theorie und Praxis (138 Stunden), Seemannschaft, Signalmann, Einsatzplanung, Suchmethoden und Wartung, Funktionsprüfung und Anwendung der theoretischen Kenntnisse

  5. Gewöhnungstauchen (50 Stunden) aufgeteilt in:

  • a) Hallenbad (20 Stunden), Konditions- und Gerätetraining, Handhabung der Vollgesichtsmaske, Tauchgerät ablegen, Wechselatmung usw.

  • b) Freigewässer bis 10 m Wassertiefe(20 Stunden) wie a) mit Rettungsübungen, Suchaufgaben und Tauchen unter erschwerten Bedingungen (z.B. Trübe oder Strömung), Leinenführung und Leinentauchen.

  • c) Freigewässer bis 30 m Wassertiefe (10 Stunden) wie b) mit Gewöhnung an größere Wassertiefen.

Prüfung
Zu den Prüfern gehören technische Aufsichtsbeamte der fachlich betroffenen Berufsgenossenschaft, ein Vertreter der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung, ein Ausbilder und ein sachkundiger Mediziner. Die zweitägige Prüfung findet meist bei den Ausbildungsbetrieben statt.

Geprüft wird in Praxis und Theorie. Die Prüflinge müssen im praktischen Teil sowohl im Schwimmbad Apnoe- und Geräteübungen absolvieren als auch Aufgaben im freien Wasser erledigen.

Bei den Freiwassertauchgängen werden auch die Signalleute, Reservetaucher und Einsatzleiter geprüft. In einer mündlichen Prüfung werden die Kenntnisse über die Vorschriften, den Umgang mit Austauchtabellen, medizinische Zusammenhänge und Gerätekunde nachgewiesen.

Nach bestandener Prüfung erhält der Forschungstaucher ein Zertifikat in deutscher und englischer Sprache. Die Bescheinigung behält ihre Gültigkeit, wenn pro Jahr die vorgeschriebenen Mindesttauchgänge durchgeführt werden.

Forschungstauchen in den EU
Zur Zeit gelten in den einzelnen Staaten sehr unterschiedliche Regeln. So ist es in Frankreich bisher nicht möglich, dass eine Tauchergruppe aus französischen Wissenschaftlern und Kollegen anderer Staaten besteht. Es müssen dann zwei Tauchgruppen gebildet werden.

Bei uns müssen ausländische Forschungstaucher zwei Bedingungen erfüllen: 1. müssen Sie den Nachweis erbringen, dass sie mit den Geräten, die zum Einsatz kommen, umgehen können und 2. dürfen sie nur an der Handleine in einem Taucherpaar tätig werden.

Seit 1995 versucht die EU- Kommission, für alle Mitgliedsstaaten verbindliche Regeln für die wissenschaftliche Tätigkeit unter Wasser aufzustellen. Ziel ist, die nationalen Interessen zu bündeln und einen hohen Standard für die Vergabe eines Zertifikats "European Scientific Diver" zu entwickeln.

Dr. Andreas Lipp ist Ausbildungsleiter der wissenschaftlichen Tauchgruppe der Universität Hamburg

Links:
CMAS: http://www.cmas.org
NAUI: http://www.naui.org
PADI: http://www.padi.com


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