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Historie:

Original oder Fälschung?

von Gert Augustinski

 

Beim Kauf oder Erwerb bzw. Tausch eines Taucherhelmes stellt sich vielleicht der eine oder andere Sammler schon einmal die Frage, ob es sich um einen echten oder etwa einen nachgemachten Helm handelt.

Diese Frage ist berechtigt, da es sich hierbei, wie wir alle wissen, oftmals um einen nicht unerheblichen Kaufpreis bzw. Wert In den letzten Jahren treten immer häufiger - auch in Deutschland - Helmreplikas auf, die mehr oder weniger originalgetreu angefertigt sind und teilweise sehr schwer von einem echten Helm zu unterscheiden sind.

Allen voran ist die wohl bekannteste, aus Taiwan eingeführte Kopie des berühmten MARK-V Helmes der amerikanischen Navy zu nennen. Als diese Helme Anfang der achtziger Jahre in Deutschland ein geführt wurden, deklarierte der Importeur sie in einschlägigen Zeitschriften eindeutig als Replikas. Im Laufe der folgenden Jahre wurden sie dann von privaten Anbietern oder Antiquitätenhändlern jedoch wahrscheinlich aus Unkenntnis - als Originalhelme angeboten.

Die auffälligsten Merkmale dieser Replikas sind der hochgezogene "Hals° am Schulterstück, die nicht durchbohrten Anschlüsse (wie Speihahn, Luftauslassventil, Luftzuführung und Telefonanschluß) sowie die fehlenden Ventile, Dichtungen und Luftleitkanäle im Helminneren. Der Helm sowie das Schulterstück besitzen kein Bajonettgewinde, sie sind von der Innenseite her an ihren Flanschen mit Schrauben verbunden. Ebenso ist noch das gefälschte Typenschild zu erwähnen, es enthält oftmals keine Daten - und wenn, dann fast immer als Baujahr: "August 1941 ".

Der wohl am häufigsten nachgebaute Helm ist der 12-Bolzen Standardhelm der Firma Siebe/Gorman. Die auffälligste und auch schlechteste Kopie dieses Typs kommt aus der Türkei. Dieser Helm fällt schon beim ersten, oberflächlichen Betrachten durch seinen unproportionierten Aufbau völlig aus dem Rahmen, da die Helmgröße nicht zum sehr schmalen Schulterstück passt. An diesem Helm sind fast alle Details falsch. Auffällig sind zunächst das Kreuzgitter am Frontfenster sowie die nach oben (!) gerichteten Luft- und Telefonanschlüsse. Außerdem fehlen alle Dichtungen und Ventile (Lufteinlass- und Luftauslassventil). Der Speihahn passt nicht richtig in seinen Ventilsitz und ist ebenso wie die Helmhaken völlig falsch angebracht. Das Schulterstück ist, wie bereits erwähnt, sehr schmal angefertigt und zum Flansch hin nach oben zulaufend. Die Helmösen und Gewichthaken haben falsche Proportionen, sie sind aus Messingrundstäben angefertigt. Das Nonplusultra aber ist eine auf dem Helmfirst angebrachte "Firstöse" in Form eines Griffes, der an einen verschnörkelten Schubfachgriff erinnert.

Einige dieser Helme haben allerdings an der Innenseite eingelötete Luftkanäle, von denen man sich aber nicht täuschen lassen darf. Diese Helme gibt es in zwei Versionen: völlig blank poliert oder aber mit einer künstlichen Patina. Die Patina und einige zusätzliche Beulen geben ihnen ein "antikes" Aussehen (dies gilt im übrigen auch für den Nachbau des MARK-V-Helmes). Anmerkung: Diese Helme wurden offiziell wieder aus dem Verkehr gezogen, da es gegen den Vertreiber ein gerichtliches Verfahren gegeben hat. Anders verhält es sich allerdings mit einem aus Fernost kommenden Siebe/Gorman-12-Bolzen Helm. Dieser Helm ist von einem Original nur sehr schwer zu unterscheiden. Alle Details sind vorhanden und stimmen mit einem echten Siebe/Gorman-Helm überein. Dem fernöstlichen Hersteller ist nur ein kleiner Fehler unterlaufen: Auf dem Typenschild ist der Name Siebe fälschlicherweise als Ciebe angegeben.

An einer weiteren, wieder vom Original kaum zu unterscheidenden Replika eines Siebe/Gorman-12-Bolzen-Helmes unterlief dem ebenfalls fernöstlichen Hersteller ein kleiner, aber noch schwerer erkennbarer Fehler: Hier ist auf dem Typenschild das Wort Engineers fälschlich als Engeneers geschrieben.

Eine weitere interessante Fälschung aus Indonesien betrifft einen Heinke-Helm. Der Helm mit einem 12-Bolzen-Schulterstück ist sehr gut und detailgetreu gearbeitet. Das Frontfenster ist im Durchmesser allerdings größer als beim Original. Ebenso sind zwei zusätzliche Helmösen am First angebracht, die am Originalhelm nicht vorhanden sind. Der gravierende Fehler ist aber wieder auf dem Typenschild zu finden: Statt C. H. Heinke steht hier C. E. Heinke.

Ebenfalls aus Indonesien kommt auch noch ein Deutscher 8-Bolzen(!!)-Helm der Firma Dräger - hier erübrigt sich jedoch jede Beschreibung und jeder Kommentar. An diesem Helm stimmt absolut nichts - selbst der Name Dräger auf dem aufgenieteten Typenschild ist falsch!

Keiner der beschriebenen Helme besitzt eine Seriennummer. Nun sollte man sich aber durch diese Nachbauten nicht verunsichern lassen oder gar in Panik geraten - sie werden momentan nur in den USA und England vermarktet. Es wird aber sicherlich nur eine Frage der Zeit sein, bis sie auch bei uns auftauchen werden.

Anders verhält es sich bei einem sehr gut nachgebauten 3-Bolzen-Helm der Firma Dräger, der in Deutschland kopiert und vertrieben wird. Der Helm ist aus Kunststoff und das Schulterstück aus Eisenblech angefertigt und mit Bronzefarbe bemalt. Allerdings verkauft der Hersteller aus Trier diese Helme mit dem Hinweis, dass es sich um Nachbauten handelt; entsprechend niedrig ist der Preis. [photogallery/photo00016960/real.htm]

Photos aus: Die ProfiTaucher

 

 

Links:
The Historical Diving Society: http://hds.org/


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Updated by Roy Witkovsky

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